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Kulturpolitik Pfleglicher Umgang

10.01.2003 ·  Obwohl Antje Vollmer als profilierteste Kulturpolitikerin der Grünen gilt, soll sie ihren Sprecherposten an Claudia Roth abgeben.

Von Fridtjof Küchemann
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Gerade von der Klausur der Grünen-Bundestagsfraktion in Wörlitz nach Berlin zurück gekehrt, wandte sich Antje Vollmer an die Presse. Zusammen mit ihrer Kollegin Monika Griefahn (SPD) forderte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen einen „pfleglichen Umgang“ mit Kunstmäzenen. Gemeint war Friedrich Christian Flick, Enkel des Großindustriellen und Vertrauten der NS-Machthaber Friedrich Flick, der seine gut sortierte Kunstsammlung für sieben Jahre an das Land Berlin verleihen will.

Pfleglich sollten die Grünen auch mit ihrer profiliertesten Kulturpolitikerin umgehen. Obschon Vollmer für die laufende Legislaturperiode in ihrem Amt als kulturpolitische Sprecherin der Partei bestätigt worden ist, soll der Fraktionsvorsitz der Partei im Bundestag diesen Posten der ehemaligen Parteivorsitzenden Claudia Roth angeboten haben.

Posten und Positionen

Zusammen mit ihrem Kollegen Fritz Kuhn musste Roth bei einem Parteitag vor vier Wochen auf die erneute Kandidatur für den Parteivorsitz verzichten, weil beide nicht bereit waren, ihre am 22. September errungenen Bundestagsmandate niederzulegen. In der Bundespartei gilt die Trennung von Amt und Mandat. Jetzt sollen Kuhn und Roth in der Fraktion nicht nur einfache Abgeordnete bleiben, sondern herausgehobene Positionen bekleiden.

Mit ihrer Haltung unter anderem in der Stadtschloss-Debatte, ihrem Einsatz für die Bundeskulturstiftung, die Stiftungsrechts-Novelle und die steuerliche Entlastung ausländischer Künstler in Deutschland hat Antje Vollmer grüne Kulturpolitik klar konturiert.

Scherben und Schonwaschgang

Fraglos hat sich auch Claudia Roth bereits in der Kulturszene einen Namen gemacht. Erst kürzlich wählte die ehemalige Managerin der legendären Band Ton, Steine, Scherben in einer Jury den Songtext für den Beitrag der „Tageszeitung“ zum Schlager-Grand-Prix. Und das umwerfende Kostüm, mit dem Roth vor anderthalb Jahren in Bayreuth aufgetreten ist, hat wohl nicht wenige Schaulustige tief bewegt.

Dass Antje Vollmer jetzt für die ehemalige Parteichefin zur Seite rücken soll, ist durch die Unterschiede im kulturpolitischen Profil der beiden Konkurrentinnen erstaunlich, und Antje Vollmer wehrt sich zu Recht gegen diesen Antrag. Entscheiden muss darüber allerdings die Fraktion. Dass die Bundestagsabgeordneten der Grünen schon bei ihrer Sitzung am kommenden Dienstag zu einer Lösung kommen werden, ist allerdings fraglich. Das Thema ist zumindest heikel, der Gesprächsbedarf entsprechend hoch. Die Angelegenheit wird im Schonwaschgang behandelt, wenn die Fraktionsvorsitzenden Krista Sager und Katrin Göring-Eckardt ihre jetzige kulturpolitische Sprecherin nicht gerade pfleglich behandelt.

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Jahrgang 1972, Redakteur im Feuilleton.

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