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Kulturnachrichten Die Pressefreiheit kann nicht garantiert werden

 ·  Das ZDF lädt aus Sicherheitsgründen den bedrohten dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard aus, „Reporter ohne Grenzen“ stellt die größten Feinde der Pressefreiheit vor. Dies und mehr in den FAZ.NET-Kulturnachrichten.

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Ohne Begründung ausgeladen: Kurt Westergaard
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Ohne Begründung ausgeladen: Kurt Westergaard

ZDF lädt Karikaturisten Kurt Westergaard aus

Eigentlich sollte in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz morgen der dänische Karikaturist Kurt Westergaard zu Gast sein. Der Anlässe für ein Gespräch wären genug: Seit seine Zeitung, die „Jyllands-Posten“, im November 2005 mit den Mohammed-Karikaturen für Furore sorgte, lebt Westergaard in Angst, gegen ihn wie gegen die anderen Zeichner wurden Todesdrohungen ausgesprochen, sie stehen unter Polizeischutz. Am Neujahrstag war Westergaard in seinem Haus von einem mit einer Axt bewaffneten Islamisten überfallen worden. Westergaard rettete sich mit knapper Not. Vor ein paar Tagen wurde der Zeichner von der Zeitung zwangspensioniert. Er stelle wohl ein zu großes Sicherheitsrisiko dar, hatte er gesagt.Darüber und über die jüngsten Drohungen gegen die amerikanische Animationsserie „South Park“ hätte man sprechen können. Die Redaktion von Markus Lanz wollte das auch, bekam aus der Zentrale in Mainz aber eine Abfuhr. Warum? Es handele sich, heißt es auf Anfrage, um „eine ganz normale redaktionelle Entscheidung“. Eine Unterhaltungssendung sei nicht die richtige Plattform für die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Mit einem Zurückweichen vor Extremisten oder Furcht vor Islamisten habe das nichts zu tun.Seltsam aber wirkt es doch, denken wir nur daran, dass die Vorgängersendung von Johannes B. Kerner und auch Lanz selbst bei etlichen sich bietenden Gelegenheiten die Grenze zwischen Unterhaltung und Information recht frei interpretierten. Und seit wann ist die Bedrohung der Pressefreiheit kein Thema für eine Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?„Ich hätte nicht gedacht, dass ein so großer Sender einknickt und Selbstzensur übt“, sagte Kurt Westergaard. Das ZDF habe ihm keine Gründe für die Absage genannt: „Aber natürlich hat das was mit der Sicherheit zu tun.“ Sein Galerist Erik Guldager sagte der Zeitung „Jyllands-Posten“, ein ZDF-Mitarbeiter habe ihm erklärt, man könne nicht für Westergaards Sicherheit garantieren und fürchte um das Leben und die Sicherheit eigener Mitarbeiter. „Selbstzensur aus Angst vor möglichen Repressalien“ nennt dies der Galerist. (miha.)

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