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Kulturmäzen Osman Kavala : Erdogans nächste Geisel

Osman Kavala wird die Beteiligung an sämtlichen Ereignissen vorgeworfen, die Erdogans Macht gefährdeten. Bild: dpa

Der türkische Kulturmäzen Osman Kavala bleibt in Haft. Er soll unter anderem an der Planung des Putschversuches im vergangenen Jahr beteiligt gewesen sein.

          Die regierungstreue türkische Presse hatte ihr Urteil gegen Osman Kavala, den Leiter der Kulturstiftung „Anadolu Kültür“, schon nach seiner Festnahme gefällt. In Anspielung auf Kavalas linke politische Gesinnung und sein gesellschaftliches Engagement bezeichnete sie ihn als „türkischen Soros“ und plapperte somit nach, was Präsident Erdogan über den Mäzen und Geschäftsmann gesagt hatte.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Osman Kavala war Sponsor des Menschenrechtsseminars, dessen Teilnehmer, unter ihnen der Deutsche Peter Steudtner, unter dem Vorwurf der Terrorunterstützung drei Monate lang in türkischer Untersuchungshaft saßen, bis ein Gericht sie in der vergangenen Woche auf freien Fuß setzte. Am Mittwoch ist nun Haftbefehl gegen Kavala erlassen worden. Er wird der Beteiligung an sämtlichen Ereignissen beschuldigt, die Erdogans Macht gefährdeten. Kavala soll an der Planung des Putschversuches vom 15.Juli 2016 beteiligt gewesen sein und den Korruptionsskandal mit angestoßen haben, bei dem Ende 2013 illegale Machenschaften von Regierungsmitgliedern enthüllt wurden und sich die Allianz zwischen Erdogan und dem islamistischen Prediger Fethullah Gülen in offene Feindschaft verwandelte. Zudem gehöre Kavala zu den „Managern und Organisatoren“ der Gezi-Revolte 2013.

          Das amerikanische Außenministerium und Kati Piri, die Türkei-Berichterstatterin des Europarlaments, haben Osman Kavalas Festnahme scharf kritisiert. In einem offenen Brief hat sich zudem eine Gruppe von 35 europäischen Wissenschaftlern und Schriftstellern an Erdogan gewandt: Kavala müsse so bald wie möglich freigelassen werden, damit er weiterhin der Türkei und dem Dialog, den das Land mit seinen Nachbarn habe, dienen könne. An einem Miteinander, wie Kavala es pflegte, scheint Erdogan jedoch nicht interessiert. Die Frau von Osman Kavala, die Universitätsprofessorin Ayse Bugra, sagte: „Mit der Entscheidung, Haftbefehl zu erlassen, haben wir nicht nur Osman Kavalas Freiheit verloren, sondern auch unsere Hoffnungen auf Demokratie, Frieden und Rechtsstaatlichkeit.“

          Quelle: F.A.Z.

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