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Kulturhauptstadt 2010 : EU-Jury gibt Essen Vorzug vor Görlitz

  • Aktualisiert am

Essen: großformatige Liebeserklärung ans Ruhrgebiet Bild: dpa/dpaweb

Die Stadt Essen im Ruhrgebiet ist an diesem Dienstag von einer EU-Jury zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 gekürt worden. Das ostsächsische Görlitz hat vergeblich auf diesen Titel gehofft. Als Stadt außerhalb der EU setzte sich Istanbul gegen Kiew durch. Pécs in Ungarn stand bereits fest. FAZ.NET-Spezial.

          Die Stadt Essen im Ruhrgebiet wird Europäische Kulturhauptstadt 2010. Diese Entscheidung hat die siebenköpfige EU-Jury an diesem Dienstag in Brüssel bekanntgegeben. Essen setzte sich damit gegen die gemeinsame Bewerbung von Görlitz und Zgorzelec an der deutsch-polnischen Grenze durch. Der Jury-Beschluß muß im Herbst noch von den Kulturministern der 25 EU-Staaten bestätigt werden. In der Vergangenheit folgte der Ministerrat aber stets den Vorgaben der ausgewählten Fachleute.

          Neben Essen wird im Jahr 2010 die ungarische Stadt Pécs als Vertreterin der neuen EU-Staaten den Titel Kulturhauptstadt tragen. Als Bewerber aus einem Land außerhalb der 25 EU-Staaten setzte sich die türkische Metropole Istanbul gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew durch.

          Vorschläge Essens „um Haaresbreite besser“

          Die Jury-Entscheidung setzt den Schlußpunkt unter ein dreijähriges Rennen um den Titel. Essen hatte sich stellvertretend für das Ruhrgebiet beworben und legte dabei den Schwerpunkt auf die Kultur als Motor für den Wandel einer Industrieregion. Görlitz verwies mit seiner polnischen Nachbarstadt Zgorzelec auf die Zukunft Europas im Osten. Europäische Kulturhauptstädte können mit EU-weiter Beachtung und steigenden Besucherzahlen rechnen.

          Weltkulturerbe: die Essener Zeche Zollverein

          Wie der Vorsitzende der Jury betonte, hätten beide Bewerber ausgezeichnete Konzepte vorgelegt. „Wir fanden, daß die Vorschläge von Essen um Haaresbreite besser waren als die von Görlitz und im Interesse von ganz Europa lagen“, sagte Jury-Chef Sir Jeremy Isaacs. Die Vertreter der sächsischen Grenzstadt gratulierten den Siegern aus dem Ruhrgebiet. Beide Bewerber wollen im Hauptstadtjahr 2010 eng zusammenarbeiten.

          Von Hochöfen zur Hochkultur

          Mit dem Leitmotiv „Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur“ konnte die Stadt Essen die Jury überzeugen. Da sich das Ruhrgebiet als Region nicht bewerben durfte, ging Essen voran, stellvertretend für das ganze Revier mit seinen 5,3 Millionen Menschen in elf kreisfreien Städten und vier Kreisen. Das Motto der Ruhrgebiets-Bewerbung: „Entdecken. Erleben. Bewegen.“

          Das Ruhrgebiet präsentiert sich in modernem Gewand: Stillgelegte Zechen und Hochöfen wurden zu kulturellen Vorzeigeinstitutionen einer Region, die sich nach dem Ende der Bergbau- und Montan-Industrie zunehmend als Kulturmetropole begreift. Essen warb in Brüssel aber auch mit dem Revier als Einwanderungsregion und seiner zentralen Lage in Europa.

          Zu den Vorzeige-Kulturprojekten zählen „Die Zweite Stadt“ in 1000 Meter Tiefe in Schacht XII des Weltkulturerbes Zeche Zollverein und Lichtkunst entlang der zentralen Verkehrsader, der Autobahn 40. Zur Internationalen Bau-Ausstellung Emscherpark entstand aus einem alten Stahlwerk in Duisburg der „Landschaftspark Nord“ - ein Freizeitpark für Kletterer und Taucher. Nachts wird die gesamte Anlage mit ihren Hochöfen mit einer Lichtinstallation in Szene gesetzt.

          Einen guten Ruf genießen die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Schauspielhaus Bochum. 2002 startete das Theater-Festival Ruhrtriennale, das europäische Hochkultur in die alten Industriebauten bringt.

          Rüttgers: „Ganz Europa wird 2010 auf Essen schauen“

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sieht in dem Titel eine riesige Chance für die Menschen im Ruhrgebiet. „Mit seiner herausragenden Bewerbung und Begeisterung haben Essen und das Ruhrgebiet gezeigt, was in ihnen steckt. Ganz Europa wird 2010 auf Essen und das Ruhrgebiet schauen.“

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