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Veröffentlicht: 27.02.2016, 09:28 Uhr

Roboter Wir laufen auf Autopilot

Der Turing-Test muss umgekehrt gedacht werden: Nicht Maschinen werden wie Menschen, sondern Menschen wie Maschinen. Unsere kognitive Prozesse werden immer mehr automatisiert.

von Adrian Lobe
© akg-images / Album Wenn Menschen Maschinen werden, können sie aber immer noch gut aussehen wie hier in dem Film „Terminator 3- Rise of the Machines“.

Im Jahr 2014 berichtete der „New-York-Times“-Reporter David Segal, wie er am Flughafen in Rom einen American-Express-Schalter aufsuchte und sich in einem Online-Chat über die ungewöhnlich hohe Wechselgebühr beschwerte. Das Gespräch kam ihm irgendwie merkwürdig vor.

Segal war überzeugt, es auf der anderen Seite der Chatleitung mit einem Roboter statt einem Menschen zu tun hatte. Die transkribierte Konversation erweckte den Eindruck, als würde ein Algorithmus Schlüsselwörter wie „Exchange Rate“ aufgreifen und standardisierte Antworten à la „Das können wir nicht kommentieren“ von sich geben.

Verwunderlich wäre das nicht. Kreditkartenkonzerne setzen schon länger Chat-Bots zur Beantwortung von Kundenanfragen ein. American Express gelang zu diesem Zeitpunkt aber etwas Bemerkenswertes: Seine Software bestand den sogenannten Turing-Test. 1950 schlug der legendäre Mathematiker Alan Turing ein Testverfahren vor, um künstliche Intelligenz nachzuweisen.

Ein menschlicher Fragesteller sollte sich per Chat, also nur per Tastatur und Bildschirm, mit einem Computerprogramm und einem Menschen unterhalten und herausfinden, welches die Maschine ist. Gelingt dies nicht, hat die Maschine den Turing-Test bestanden.

Der Journalist Segal stellte den Test in einem Experiment auf die Probe: Er öffnete einen Online-Chat mit einem American Express-Sacharbeiter namens Bruce. „Hallo! Ich bin Bruce! Wie kann ich Ihnen behilflich sein.“ – „Hi! Sind Sie ein Mensch?“, fragte Segal. Der Gegenüber antwortete tiefsinnig: „Wie kann ich beweisen, dass ich ein Mensch bin?“

© Andreas Müller, F.A.Z., Andreas Müller Robotik: Roboter mit menschlichen Kräften

Schau mal, wer da spricht

Segal ging daraufhin eine Reihe von Fragen durch. Schuhgröße, Geburtsname, geografischer Standort. Das Gesprächsprotokoll liest sich einigermaßen absurd. Segal konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, einer computerisierten Stimme gegenüber zu sitzen. Schließlich stellte sich jedoch heraus, dass es sich um eine reale Person handelte.

Der Grund, weshalb Segal den Sachbearbeiter für einen Computer hielt, war, dass Englisch nicht dessen Muttersprache war. Womöglich war Bruce eine Person, die mechanisch von einem Skript ablas, sodass die Arbeit fast roboterartig daherkam. Anweisung: Fragt der Kunde das, antworteten Sie das. Allein, wenn ein Mensch eine Arbeit verrichtet, die von Maschinen diktiert wird, operiert er dann nicht auch wie eine Maschine?

Das ist eine der Fragen, mit denen sich der Rechtswissenschaftler Brett Frischmann und der Philosoph Evan Selinger beschäftigen. In einem Beitrag für den „Guardian“ stellten sie die These auf, dass der Turing-Test heute anders gedacht werden müsse: Die Frage sei nicht, ob Maschinen irgendwann menschenähnlich werden, sondern ob der Mensch maschinenähnlich und programmierbar werden könne.

Real Humans - Echte Menschen Staffel 2 (01/10) © © Johan Paulin Vergrößern Dieser arme Mann weiß noch gar nicht, dass er sich mit einer Maschinen-Blondine eingelassen hat - eine Szene mit Josephine Alhanko und Alxander Karim aus der Arte-Sendung „Real Humans - Echte Menschen“.

Es gibt Indizien, die in diese Richtung weisen. Facebook hat in einem gigantischen sozialen Experiment die Gefühle von 700.000 Nutzern gesteuert. Sie sahen verzerrte Ergebnisse ihrer Freunde. Google, das belegen Studien des amerikanischen Verhaltensforschers Robert Epstein, kann mit ein paar Modifikationen seines PageRank-Algorithmus Wahlpräferenzen manipulieren.

Und in Roboterautos bestimmen Algorithmen, ob das Fahrzeug bei einer drohenden Kollision nach links oder rechts ausweicht und einen Unbeteiligten rammt. Unser Schicksal ist determiniert, programmiert von ein paar Software-Entwicklern. Der Mensch ist ein Wesen, der in Codes geschrieben ist – ein Internetprotokoll in einer Datenbank, abrufbar und auswertbar 24/7.

Millionen Menschen laufen heute mit Fitnessarmbändern und Smartwatches herum, die unablässig ihre Schritte, Herzfrequenz und Laufleistung erfassen. Das Start-up Bitwalking hat eine App lanciert, die mithilfe von GPS und Beschleunigungssensoren die Schritte der Nutzer zählt – haben sie 10 000 geschafft, wird ihnen ein digitales Kilometergeld in Höhe von einem „Bitwalking Dollar“ ausgezahlt.

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