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Künstlerin aus Frankreich Blumen essen, Zimmer leer räumen - Dominique Gonzales-Foerster

31.05.2002 ·  Mit der französischen Künstlerin und Documenta11 Teilnehmerin kann man Zeitreisen in europäische und ostasiatische Kulturen unternehmen.

Von Ludwig Seyfarth
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Die Rauminstallationen der Französin Dominique Gonzales-Foerster bestehen meist aus spährlich möblierten Räumen, in denen sich unter genauer Farb- und Lichtregie Gegenwart und Vergangenheit atmosphärisch schmischen, so, als wären es Echokammern. Ein starkes Interesse der Künstlerin gilt neben der Vergangenheit der heutigen ostasiatischen Kultur.

Blumen essen oder ein Zimmer komplett leer räumen, in jedem Zimmer eine andere Farbe tragen, Zeitungen lesen, die Sie sonst nie lesen oder versuchen, jemanden auf einem anderen Kontinent zu erreichen... Dies sind Vorschläge von Dominique Gonzales-Foerster, die neben drei anderen Documenta11-Künstlern durch das Nachrichtenmagazin der „Spiegel“ aufgefordert wurde, Kunst zum Selbermachen zu entwerfen.

Gemischte Erinnerungen

Gonzales-Foerster ersann keine simple Mitmach- oder Bastelidee, sondern die freundliche Aufforderung, Dinge zu tun, mit denen man sich aus dem gewohnten Alltag heraus in eine Art anderen Raum hineinbegibt. In den Rauminstallationen der Französin, die 1965 als Tochter eines Spaniers und einer Deutschen in Straßburg geboren wurde, verweben sich biografische Erinnerungen mit Reminiszenzen aus Film und Literatur.

„À Rebours“

Ein typisches Beispiel ist „À Rebours“, benannt nach dem berühmten, 1884 erschienenen symbolistischen Roman von Joris Karl Huysmans. Die Installation, bestehend aus einem gelbem Schlafzimmer, einer roten Halle und einem blauen Büro, versetzt die Wohnung von Huysmans' dandyeskem Antihelden Des Esseintes gleichsam in die heutige Zeit. Zu sehen war das 1993 unter anderem in der Ausstellung „Backstage“ im Hamburger Kunstverein. Das junggesellenhafte, ganz auf die ästhetische Selbstinszenierung gerichtete Dasein des Dandys fasziniert Gonzales-Foerster ebenso wie das Atmosphärische einer menachenleeren Wohnung, die an einen Filmset, aber auch an einen Tatort erinnert und den Betrachter assoziativ in die Rolle eines Detektivs versetzt.

Im vergangenen Jahr zeigte die Künstlerin im Frankfurter Portikus zwei zehnminütige Filme, die sie im japanischen Kyoto und in Hongkong gedreht hatte. Es handelt sich um poetische Beboachtungen asiatisch- urbanen Lebens. Dabei interessierte sich Gonzales-Foerster unter anderem dafür, wie das Handy die Lebensgewohnheiten japanischer Jugendlicher verändert.

„Ghost in the Shell“

Mit heutiger asiatischer Kultur befasst sich auch ihr umfassendes Work in Progress: „No Ghost, just a Shell“, bei dem Dominique Gonzales-Foerster mit den beiden Künstlern Philippe Parreno und Pierre Huyghe zusammenarbeitete. Die beiden französischen Kollegen kauften die Rechte an einer japanischen Manga-Comic-Figur. Danach forderten sie andere Künstler auf, die leere Hülle von „Ann Lee“ mit einer Psychologie, einer Biografie und persönlichen Erlebnissen auszustatten. Der Titel des Projekts bezieht sich auf den bekanntesten Manga-Film „Ghost in the Shell“. Fasziniert von der merkwürdigen Leere und Geschichtslosigkeit der Figur Ann Lee gestaltete Gonzales-Foerster einen Raum mit großen japanischen Kissen, in dem ein dreiminütiges Video läuft, auf dem die Silhouette Ann Lees eine unerwartete Atmosphäre diffuser Gefahr, Einsamkeit und Todesnähe evoziert.

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