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Künstlerin aus dem Iran Feminismus und zeitgenössischer Islam: Shirin Neshat

13.05.2002 ·  Sie lebt in New York. Ihre Videos drehen sich um ihre Heimat Iran, um Frauen, die wenig Rechte haben.

Von Sabine B. Vogel
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Wie kaum eine andere Künstlerin werden die Videos und Fotografien der Wahlamerikanerin und gebürtigen Iranerin, Shirin Neshat, heftigst diskutiert.

Neshat übersetzt politische Inhalte in eine faszinierende, wenn auch plakative visuelle Sprache. Inhalte, die eine fremde Kultur in fernen Ländern betreffen: das Thema der sozialen Kontrolle durch islamische Religion und Ideologie, die problematische Position der Frau in der muslimischen Welt. Die einen kritisieren, daß Neshat Klischees über die Frauen verstärkt. Die anderen sind begeistert, dass Neshat dieses Thema überhaupt angeht und in eindringlicher Weise umsetzt.

Eine Video-Trilogie

Ihr Video "Turbulent" (1998) gehörte auf der letzten Biennale in Venedig 2001 zu den auffälligsten (und ausgezeichneten) Beiträgen. Dieser Film ist zusammen mit "Rapture" (1999) und "Fervor" (2000) Teil einer Trilogie. Die Frauen sind darin immer im traditionellen Tschador vermummt. Sie proben eine leise Rebellionen.

"Turbulent" stellt dem Gesang eines Mannes vor begeistertem Publikum die einsame Vorstellung einer Frau gegenüber; "Rapture" kombiniert religiöse und choreographische Elemente, um die getrennten Welten von Männern und Frauen aufeinandertreffen zu lassen. Während die Männer in einer Burg rituelle Handlungen ausführen, versammeln sich die Frauen vor den Mauern in der Wüste. Ihren Ausschluß aus der Burg beantworten sie zum Schluß mit ihrem ungeordneten Gang zum Meer, wo sie ein Schiff auf die offene See hinausschieben - ein kleiner Teil verläßt die Szenerie.

Frauen üben den Aufstand

Auch "Fervor" endet mit einem Bild des Aufbegehrens: Am Ende der priesterhaften Belehrung zu Enthaltsamkeit und Züchtigkeit, die den getrennt sitzenden Männern und Frauen erteilt wird, verläßt eine junge Frau mitten in der Rede den Saal.

"Turbulent", "Rapture" und "Fervor" arbeiten mit der für Neshat fast schon zum Markenzeichen gewordenen schwarz/weiss-Ästhetik und den räumlich einander gegenüberstehenden, in formale und inhaltliche Konfrontation gesetzten Projektionen. In diesen Filmen erzählt sie kleine, komplexe Geschichten: "Ich verstehe meine Arbeit als bildlichen Diskurs zum Thema Feminismus und zeitgenössischer Islam" - inszeniert als eine faszinierende Choreographie symbolischer Bilder.

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