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Künstler aus Südafrika Zeichnen für den Film - William Kentridge aus Johannesburg

10.05.2002 ·  Zeichnen für die Gesellschaft in Südafrika. William Kentridge, das Multitalent, jetzt ist Kassel erneut dabei.

Von Sabine B. Vogel
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William Kentridge war eine der großen Entdeckungen der letzten documenta. Kentridge, der seit seiner Geburt 1955 in Johannisburg lebt, erzählt in seinen Animationsfilmen, Zeichnungen und Bühnenstücken von der Geschichte Südafrikas.

Seine Werke entstehen als persönlich-politisches Tagebuch. Die Filme, schwarz-weiß, 16 mm, sind tonlos und mit getragener Musik unterlegt. Nur rund 20 Zeichnungen entstehen pro Film. Kentridge verwendet jedes Blatt mehrmals. Er radiert Details weg, fügt anderes hinzu und radiert wieder. Dieser Prozess bleibt in den Zeichnungen sichtbar.

Fragen des Erinnerns und Vergessens

Es ist mehr als nur eine Technik, um mit wenigen Blättern einen Film herzustellen. Es erzeugt die für Kentridge typische Filmästhetik ruckartiger Abfolgen und die durch Wiederholungen fast gleicher Bilder entstehende, intensive Stimmung. Vor allem aber entspricht das Ausradieren konsequent dem zentralen Thema seiner Arbeiten: Fragen, "wie Gefühle so flüchtig sein können und das Gedächtnis so kurzlebig" (Kentridge), Fragen des Erinnerns und Vergessens.

Ein anderer Arbeitsbereich des weißen Südafrikaners sind seine Theaterproduktionen. Etwa seine Version von Monteverdis Oper "Il Ritorno d'Ulisse". Wie in seinen Zeichnungen und Filmen, inszeniert Kentridge auch seine Bühnenstücke ohne Pomp und Action. Die Sänger stehen in schlichter Straßenkleidung auf der Bühne. Die Musiker sitzen rundherum. Im Hintergrund läuft auf einer Leinwand ein Film von Kentridge. Die Akteure sind 13 große Puppen, denen die Sänger ihre Stimme leihen.

Fragen der Verantwortung

Die Geschichte Odysseus' ist umgedeutet: im Krankenbett liegend, durchlebt der Held seine Reise im Traum, im Film. Ein zweifelnder Held. Alfred Jarrys "König Ubu" dient Kentridge zugleich als Stoff einer Bühnenproduktion und eines Films. Thema ist die Wahrheitsfindungs- und Versöhnungskommission, die 1996 gegründet wurde und den Tätern für ihre offenen Aussagen Amnestie zubilligt. Immer wieder verwandelt sich Pa Ubus Körper zu einem Stativ, mutiert zu einem Radio, einer Katze, einer Kamera.

Cartoonartig, reduziert, abrupt - ohne Worte zeigt Kentridge die ganze Absurdität und Ironie der Wahrheitskommission. Obwohl dass publik gewordenen Gräuel in deutlichen Bildern auftauchen, obwohl Täter und Opfer hintereinander erscheinen, enthält Kentridge sich einer politischen Deutung und eines moralisch-emotionalen Urteils. Denn mit seinen Filmen, Zeichnungen und Bühnenstücken bietet Kentridge einen Weg, jeden zur eigenen Auseinandersetzung mit der Erbschaft der Apartheid aufzufordern - und mit Fragen, die über aktuelle oder geographische Bezüge weit hinausgehen: mit der Frage von Verantwortung.

Am 8. und 9. Juni 2002 findet im Rahmen der fünften Plattform der Documenta11 die Theater-Performance-Produktion „Confessions of Zeno“ von William Kentridge im Staatstheater Kassel statt.

Quelle: @voge
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