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Künstler aus Deutschland John Bock, einer von zwölf Deutschen unter 118 Documenta11-Künstlern

05.06.2002 ·  Sie kennen sich kaum, sie gehören nicht alle zu den Stars der Szene und doch sind sie Teilnehmer der Documenta11: John Bock und die anderen.

Von Katja Blomberg
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„Es ist alles sehr gut organisiert“, schwärmt der Jüngste unter den deutschen Teilnehmern der diesjährigen Documenta11, John Bock, während des Aufbaus. Seit Anfang Juni ist er dabei, ein Schauspielhaus in die Kassler Karlsaue zu bauen. Neben einer Bühne entstehen ein Schneide- und ein Videobeamraum, damit seine spontanen Aktionen wie gewohnt festgehalten und vorgeführt werden können.

John Bock gehört zur zwölfköpfigen Mannschaft der deutschen Teilnehmer auf der Weltkunstausstellung der Zeitgenossen, die am Samstag in Kassel beginnt. Sein Beitrag wird unter freiem Himmel zu theatralischen Aktionen verführen, in deren Verlauf Besucher zu Mitspielern mutieren. Als „Quasi-mes“, als „als-ob-ichs“, werden sie öffentlich von Kopf bis Fuß eingenäht. In so veränderten Outfits können sie sich dann in veränderter Rolle vollkommen ungeniert durch die Ausstellung bewegen.

Sprache und unmittelbarer Lebensbezug als Kunst

Bisher hat der 1965 in Gribbohm bei Itzehoe geborene und in Berlin lebende John Bock wenig Gelegenheit gehabt, seine deutschen oder internationalen Künstlerkollegen auf der Documenta11 kennen zu lernen. Es gibt noch keinen abendlichen Stammtisch. Zu konzentriert ist die Arbeitsstimmung so wenige Tage vor dem offiziellen Startschuss. Bevor sich die Künstler treffen, sind alle einzig darauf bedacht, ihren eigenen Beitrag zu realisieren.

Kontext und Generationszugehörigkeit sind heterogen unter den in Deutschland geborenen Teilnehmern der Documenta11. Dass einige mit Sprache arbeiten, unmittelbare Bezüge zum Alltag bestehen, sie als Dokumentaristen aufreten mag als vage Gemeinsamkeit gesehen werden: von dem verstorbenen Eat-Art Künstler Dieter Roth (1930-1998), über die Fotografen Bernd und Hilla Becher (1931 / 1934), die Schreibfanatikerin Hanne Darboven (1941), den Meister der Zeichenbildung Ecke Bonk (1953), bis zur Fotodokumentaristin Candida Höfer (1944) und Ulrike Ottinger (1942), die als Filmerin niemand auf der Documenta11 erwartet hat. Von dem Konzeptkünstler Andreas Siekmann (1961), bis zur Bildhauerin Isa Genzken (1948), von Maria Eichhorn (1962), die symbolisch eine Aktiengesellschaft gründet, bis zu dem Architektur-Skulpteur Manfred Pernice (1963) und der 1994 gegründeten Künstlergruppe „Park Fiction“ aus Hamburg, die am Elbhafen einen Park der Träume plant.

Neo-DaDa-theatralik

John Bock, das 37-jährige Nesthäckchen, will zehn bis zwölf Wochen mit professionellen Schauspielern „Aktionsstücke“ in Kassel vorführen. Die „Proben“ finden Mittwochs, Donnerstags und Freitags statt und sind selbstverständlich öffentlich. In die „Aufführungen“, die jeweils am Montag und Dienstag stattfinden sollen, wird er das Publikum in der für ihn charakteristischen Weise unmittelbar einbeziehen.

Gerade diese Nähe zum Publikum war es wohl, die den Documenta-Chef Okwui Enwezor veranlasst hat, Bock, den Immer-noch-Nachwuchskünstler auf die Documenta11 einzuladen. In einem Berliner Café fiel Ende letzten Jahres die Entscheidung. Bock selbst meint, dass nicht nur der Rezipientenkontakt, sondern vor allem seine theatralischen Themen und die Tatsache, dass er seine Kunst über die Sprache vermittelt wesentlich für seine Teilnahme an einer Ausstellung gesprochen haben, die sich den Dialog der Kulturen auf die Fahnen geschrieben hat.

Im besten Sinne: Erlebniskunst

Bock will auf der Documenta11 zudem zu einem „Mopedvortrag“ einladen, in dem ein Schleifkolben zum Einstieg Brownies für das Publikum herstellt. Auch diese Aktion scheint nicht ganz von dieser Welt zu sein. Und doch treffen Bocks Performances gerade mitten hinein in die unterschiedlichen Bezugssysteme des Unbewussten, die nicht geradlinig, sondern simultan erzählt werden. Nach Peter Pakesch, der 1999 mit dem Künstler in Basel ein Projekt realisierte, sind Bocks „Vorträge“ der Versuch, die Welt zwischen Skurilität und Absurdität neu zu bestimmen: „Dabei kommt es immer wieder zu Momenten der Wahrhaftigkeit, die im spielerischen Ernst gleichsam versteckt sind.“

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