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Krönungsevangeliar Auf dieses Buch schworen die deutschen Kaiser

Das Krönungsevangeliar aus der Palastschule Karls des Großen verlässt den Tresor im Kunsthistorischen Museum Wien nur äußerst selten. Nun erscheint es in einer prächtigen Faksimile-Edition.

© Faksimile Verlag Vergrößern Die Kunst der Buchmalerei im Faksimile besteht aus drei Teilen. Erstens, einem Prunkdeckel

Es ist eine höchst ungewöhnliche Reisegruppe, die sich im Winter des Jahres 1790 bei Eis und Schnee auf den Weg von Aachen nach Frankfurt macht. Zur selben Zeit setzt sich auch von Nürnberg aus ein Tross in Bewegung: an die hundert Personen zu Pferd oder in Kutschen, begleitet von Husaren in prächtigen Uniformen. Sogar zwei Trompeter gehören zu der Kolonne, die sich um den von sechs Pferden gezogenen hochfürstlichen Anspachischen Staatswagen gruppiert.

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Als Begleitschutz flankieren vier Kronkavaliere den offenen Staatswagen, auf dem eine große Kiste transportiert wird. Sie ist mit einer roten Plane abgedeckt, über der ein gelbes Tuch liegt, das den Reichsadler zeigt. Auf dem Reichsadler liegen Nachbildungen der Krone und des Reichsapfels. Die Originale der Reichsinsignien befinden in der Kiste, um gleichzeitig mit dem von Aachen aus auf die Reise geschickten Teil des Reichsschatzes zur Krönung von Leopold II. nach Frankfurt gebracht zu werden.

Künstler aus einer untergegangenen Welt

Bei der Krönungszeremonie wird der neue Kaiser von Kopf bis Fuß in die lange Geschichte des Heiligen Römischen Reiches gehüllt: Von der achteckigen, um das Jahr 950 in einer niederrheinischen Werkstatt angefertigten Reichskrone bis zu den damals etwa sechshundert Jahre alten Strümpfen, die um 1170 in Palermo gefertigt, mit Golddraht bestickt und mit einer arabischen Inschrift versehen wurden. Hauptstück des Krönungsornats ist das Pluviale, der Krönungsmantel: ein offener Umhang, elf Kilogramm schwer, fast dreieinhalb Meter breit, mit mehr als 100000 Perlen und Emailplättchen bestickt.

Er zeigt zwischen zwei Löwen, die Kamele schlagen, eine stilisierte Palme, die an das altorientalische Motiv des Lebensbaumes erinnert. So waren die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches seit dem dreizehnten Jahrhundert überwiegend in Kleider gehüllt, die aus sizilianischen Werkstätten stammten, stark von islamischer Kunst beeinflusst waren und altarabische Schriftzeichen trugen. Doch wenn sie den Eid ablegen mussten, legten alle deutschen Kaiser die Schwurhand auf ein Buch, das in Aachen entstanden war, am Hof Kaiser Karls des Großen, im Herzen des Karolingisches Reiches. Die Künstler, die dieses Buch im letzten Jahrzehnt des achten Jahrhunderts anfertigten, waren weder Franken noch sizilische Normannen, noch Mauren oder Sarazenen. Sie kamen aus einer anderen Welt, die Jahrhunderte zuvor untergegangen war. Sie kamen aus der Spätantike.

Aachen als Zentrum der Buchmalerei

Tausend Jahre bevor die Reichsinsignien für Leopolds Krönung durch Eis und Schnee nach Frankfurt gebracht wurden, hatten die fremden Künstler ihre Reise nach Aachen angetreten. Es ist anzunehmen, dass sie aus Italien stammten, vielleicht auch aus Griechenland oder Byzanz. Wie viele es waren, wissen wir nicht, vielleicht zwei oder drei. Wahrscheinlich wurden sie gerufen, um einen besonderen Auftrag zu erfüllen, den ihr Auftraggeber seinen eigenen Schreibern nicht anvertrauen wollte. Dabei gehörte die Aachener Hofschule zu den angesehensten Schreibwerkstätten ihrer Zeit. Doch die fremden Buchmaler sollten etwas schaffen, was seinesgleichen nicht hatte: ein Werk, das heute als wohl bedeutendstes Buch des Mittelalters gilt, ein Codex aureus, dessen purpurgefärbte Seiten mit goldener Tinte beschrieben waren, ein Evangeliar mit vier Bildern der Evangelisten, wie sie so nördlich der Alpen noch nie zuvor dargestellt worden waren.

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