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Krise Prophet Heino

05.07.2009 ·  „Deutschland ist pleite“, sang Heino schon 2004. Der Sänger wirbt jetzt für einen Mobilfunkanbieter. Eine Branche, die von neuen Geschäftsmodellen profitiert: dem „Protzhandy als Grabbeigabe“ und dem Anschluss ins Jenseits.

Von Oliver Jungen
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Sie wollten doch nur spielen. Für eine bodenlose Frechheit halten Deutschlands Top-Manager denn auch, was der Markt ihnen angetan hat. Erstmals gab nun bei einer Allensbach-Umfrage eine knappe Mehrheit von ihnen an, ihre Unternehmen seien von der lästigen Finanzkrise stark oder sogar sehr stark betroffen. Dass aus Peanuts Haselnüsse wurden, daran muss jemand schuld sein. Daher wünschen sich neunundsiebzig Prozent der deutschen Führungskräfte einen Regierungswechsel in Deutschland, was für achtundsiebzig Prozent bedeutet: Angela Merkel soll nach der Bundestagswahl endlich Kanzlerin bleiben.

Schön und gut. Man wüsste aber doch gern, wie viele Prozent sich wenigstens schämen für den Glauben, Wachstum kenne keine Grenze. Sollte es noch eines Sinnbilds für die Unschuldsengel in ihrer vollverglasten Monopolywelt bedürfen, bietet sich nun, Karamba, Karacho, der Polkaprophet Heino an, der alles vorher wusste und schon 2004 sang: „Deutschland ist pleite“. In einem Werbespot für einen Mobilfunkanbieter singt er jetzt: „Ich will doch nur telefonieren – und mich nicht ruinieren.“ Schon brüllt ein Bauernseppl hinein: „Da hammas! Die ruinieren sogar schon den Heino!“ Die, das wären also die hinterhältigen Kräfte des Marktes. Und der Heino, das wäre, nur zum Beispiel jetzt, der lustige Holzhackerbub Oppenheim.

Falls Sie sich aber vor allem fragen sollten: Lebt denn der alte Klampfmichel noch? Ja, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch. Darum geht es doch. Wenn er es nicht mehr täte, schlüge der Mobilfunk-Ruin nämlich erst richtig zu. Nicht nur, dass zurzeit der amerikanische Standard „Protzhandy als Grabbeigabe“ Einzug hält, ein „Zeichen der Zeit“, wie Rolf-Peter Lange vom Verband Deutscher Bestattungsunternehmen meint. Vor allem der Telefonanschluss ins Jenseits schlägt ordentlich zu Buche.

Da wäre etwa der „Telefon-Engel“ mit zwölf Monaten Akkulaufzeit für 1495 Euro: „Die Anwendung ist ganz einfach, man wählt die Handynummer, und nach kurzem Klingeln kann man sprechen. Die eigene Stimme ist jetzt untererdig in der Grabstelle zu hören.“ Nach zwölf Monaten soll das Gerät wieder ausgebuddelt werden, rät der Hersteller. Schon wird die nächste Box fällig. Besser also, man lässt sich gar nicht erst auf das Abtreten ein, sondern sucht sich einen besseren Schluss: eine Kehre ohne Wende, ein Wachstum ohne Ende, eine Zeit ohne Zeichen. Wäre ja auch noch schöner, sich als Top-Manager unterpflügen zu lassen und dann womöglich untererdig Oppenheinos Stimme zu hören: „Wir tanzen Polka, denn wir sind verliebt wie nie – in Good Old Germany.“

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