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Krise des Buchhandels Der Amazon-Studenten-Dienst erwartet euch

Die Heidelberger Universitätsbibliothek lotst Besucher neuerdings in ihrem Online-Katalog per Mausklick auf die Website von Amazon. Dieser Irrsinn könnte Schule machen.

© Caro / Jandke Vergrößern Mag der Ort noch so klein sein, wo eine Buchhandlung ist, existiert auch eine Bildungsanstalt im Kleinen. Ob das so bleibt, darüber entscheiden wir alle.

Die aktuelle Misere im lokalen Buchhandel ist mit Händen zu greifen. In den Regalen Bücher, die, um 90 Grad gedreht, ihre Umschläge und nicht mehr ihre Rücken zeigen (um Fülle des Angebots zu suggerieren); manchenorts aber auch gleich leere Regale; Handel mit sogenannten non-books (eine Prämie für dieses non-word); reduzierte Öffnungszeiten; sich breitmachende integrierte coffee shops (micro-payment at its best); verunsicherte, ja verzweifelte Verkäufer; die beworbene killing-machine, genannt e-book-reader, perverserweise im Schaufenster. Die Liste negativer Signale ist lang, die Anmutung katastrophal.

Wenn man sich fragt, was zu dieser Situation geführt hat, wird man auf ein Bündel von Ursachen kommen, von denen jede einzelne vielleicht mit konventionellen Mitteln hätte bekämpft werden können. In ihrer Summe aber stellen sie für den Einzelhandel mit Büchern eine tödliche Gefahr dar. Da ist - am wenigsten einfach zu kontern - das auffallende Desinteresse potentieller Leserkreise an komplexen, über das Buch vermittelten Gedanken. In einer Universitätsstadt wie Heidelberg gab es noch vor zehn Jahren am Universitätsplatz zwei unter privater Leitung laufende Qualitätsbuchhandlungen. Ihre Philosophieabteilungen waren sehr gut sortiert, die größere hielt sogar bis in die achtziger Jahre die nach wie vor lieferbare teure dreibändige Ausgabe der Vorsokratiker-Edition von Diels und Kranz laufend vorrätig (und das, obwohl es Studenten seltsamerweise immer wieder gelang, diese voluminöse Ausgabe zu klauen).

Heute existiert - an einem Platz, den während der Vorlesungszeit sicher zehntausend und mehr Studenten pro Tag überqueren - nur noch eine der beiden Buchhandlungen, als Filiale einer Kette. Ihre Philosophieabteilung ist auf ein Viertel des ehemaligen Angebots geschrumpft. Die blauen Umschläge der Diels-Kranz-Ausgabe kann niemand mehr anfassen, begreifen.

Per Klick vom Online-Katalog zu Amazon

Der Umstand allein, dass es in Gestalt der amerikanischen Internetfirma mit steuerbegünstigtem Sitz in Luxemburg einen mächtigen Distributor gibt, ist es noch nicht, der den Buchhandlungen das Leben schwermacht. Eher schon, dass mit dem Aufkauf der wichtigen Antiquariatsportale (ZVAB und ABEBOOKS) und der Einbindung antiquarischer „webshops“ Amazon seinem strategischen Ziel, die Buchpreisbindung zu kippen, immer näher kommt und damit eklatante Wettbewerbsverzerrungen durchschlagen. Bücher, die auf wunderbare Weise, angeboten von Dritten, am Tag ihres Erscheinens schon antiquarisch (und gleichwohl eingeschweißt) neben dem regulären Angebot auf der Website des Konzerns aufscheinen, sind keine Seltenheit - und man bekommt, in einer Gesellschaft bekennender Schnäppchenjäger, eine erste Vorstellung davon, wie es nach dem Fall der Preisbindung aussehen würde. Den Buchhandlungen drohte dann das Schicksal der Platten- und CD-Läden, die - völlig unabhängig von der Qualität ihrer Expertise - gegen die auf der Internetseite von Amazon halbierten Preise bei Reimporten machtlos waren (von den mp3-Download-Portalen ganz abgesehen). Zwar sind Bücher nicht CDs, aber die Priorität des Preises für die Kaufentscheidung ist dieselbe, fest verankert in der Großhirnrinde.

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