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Krise der Währungsunion Der Euro ist nicht unser Schicksal

 ·  Der Frieden in Europa, so wird gesagt, sei in Gefahr, wenn der Euro scheitere. Aber das Schicksal Europas hängt nicht von seinem Währungssystem ab. Zerfallende Währungsunionen waren historisch nicht einmal ökonomische Katastrophen. Ein Plädoyer gegen das Krisengeraune.

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Ich habe das Wort ‚Europa‘ immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern wagten.“ Man muss diese Bemerkung Otto von Bismarcks gegenüber König Wilhelm I. nicht unbedingt unterschreiben; aber die derzeitige Debatte um eine vermeintliche Krise des Euro und die daraus zu ziehenden Schlüsse erinnert doch sehr stark an die Skepsis des ersten Reichskanzlers. Alles geht durcheinander, nur eins scheint sicher: Greift Europa nicht beherzt ein, vor allem, ist die Bundesrepublik nicht „solidarisch“ und hilft den betroffenen Staaten, ihr Schuldenproblem zu lösen, dann steht die gesamte europäische Integration auf der Kippe. „Der Euro ist unser Schicksal“, raunt die Bundeskanzlerin und unterstellt damit, sein Scheitern bedrohe Wohlstand und Frieden in Europa.

Die starke Rhetorik macht misstrauisch. Steht Europa wirklich kurz vor dem Abgrund? Oder sind andere Interessen im Spiel, die nicht genannt werden, aber darum keineswegs weniger bedeutend sind? Ein nüchterner Blick auf das, was wirklich passiert, kann da hilfreich sein. Zunächst, und ganz einfach, gilt es festzuhalten: Eine Krise des Euro gibt es bisher nicht. Er erfüllt ohne jedes Problem seine Geld- und Währungsfunktion. Der Binnenwert des Euro ist stabil, die Inflationsraten sind niedrig, er hat keinerlei Akzeptanzprobleme.

Warum das Krisengerede?

Was passiert, wenn das Geld seine Funktionen verliert, kann man an der Inflation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gut beobachten. Damit hat die gegenwärtige Lage nichts gemein. Aber auch als Währung funktioniert der Euro gut. Sein Außenwert schwankt, ist aber mit mehr als 1,30 Dollar seinem Höchststand näher als seinem Tiefpunkt. Schwankungen im Außenwert sind zudem nicht unbedingt etwas Schlechtes, sondern signalisieren ökonomischen Strukturwandel, ja helfen ihn zu bewältigen. Für manche südeuropäischen Länder ist, ironischerweise, gerade die Stabilität des Euro ein Problem, da sie verhindert, dass durch eine Abwertung des Außenwertes der Währung die großen Leistungsbilanzprobleme bewältigt werden können. Kurz, eine Krise des Euro gibt es nicht. Auch eine systematische Spekulation gegen ihn ist nicht zu erkennen.

Warum, so kann man zu Recht fragen, gibt es aber dann das verbreitete Krisengerede? Der Hintergrund sind die bekannten Refinanzierungsprobleme einzelner Staaten der Euro-Zone, die in der öffentlichen Rhetorik als Bedrohung des Euro dargestellt werden. Dabei gilt es zunächst auch hier zu differenzieren, denn diese Refinanzierungsprobleme haben keine gemeinsame Ursache und liegen schon gar nicht in den seinerzeit in Maastricht verabschiedeten Stabilitätsregeln. Griechenland hat schlicht jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt und deutlich mehr verbraucht, als das Land selbst produzierte. Das notorische Defizit wurde zum Teil durch Zahlungen der Europäischen Union, zum Teil durch Kredite gedeckt. Der letztlich erschlichene Beitritt zum Euro war für Griechenland vor allem deshalb so wichtig, weil damit die Finanzierungskosten der Verschuldung gesenkt werden konnten. Der Euro wirkte für Griechenland daher wie eine Preissenkung für Alkohol auf Trinker! Das alles ging bis 2008 gut, obwohl viele Beobachter gerade auch in den finanzierenden Banken um die strukturellen Probleme Griechenlands wussten.

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Werner Plumpe lehrt Wirtschaftsgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Zuletzt erschien von ihm „Wirtschaftkrisen. Geschichte und Gegenwart“ (C.H. Beck Verlag, 2010).

Quelle: F.A.Z.
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