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Krebsimpfung : Sie wirkt, aber nützt sie auch?

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Wegen dieser Krebsvorläufer werden in Deutschland schätzungsweise 140.000 Frauen jährlich Gewebestücke aus dem betroffenen Gewebe entnommen, gut 2500 Frauen wird deswegen sogar die Gebärmutter herausoperiert. Diese Eingriffe sind mit Nebenwirkungen behaftet, es können Verklebungen auftreten, und es kann zu Fehlgeburten kommen. Die Vorstufen des Krebs können also schon einen verstümmelnden Eingriff nach sich ziehen und selbst einen hohen Krankheitswert haben. Weil es freilich noch strittig ist, wie viele Krebsvorstufen die Impfung verhindert, ist genauso strittig, wie viele Frauen durch die Impfung von dem Eingriff ins Gewebe verschont bleiben.

Kein Nutzen mehr nachweisbar

Die offizielle Stelle, die Ständige Impfkommission der Bundesrepublik, hat in einem Leserbrief, der auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts abrufbar ist, auf das Manifest reagiert; demnächst will sie im „Epidemiologischen Bulletin“ auf die Einwürfe antworten. Klar ist, dass die Impfung die Viren allein davon abhält, in die Zellen der Schleimhaut einzudringen. Ist eine Frau also bereits infiziert – das sind über die Hälfte der Frauen fünf Jahre nach dem ersten Geschlechtsverkehr –, ist kein Nutzen mehr nachweisbar.

Deshalb wurde die Zulassung eines der Impfstoffe für die Altersgruppe der siebenundzwanzig bis fünfundvierzig Jahre alten Frauen in den Vereinigten Staaten abgelehnt. Auf der anderen Seite wird derzeit über neue Vorteile des Impfstoffs debattiert. Das wird bereits von teils euphorischen Meldungen eingeläutet. So wurde einer der Impfstoffe vor kurzem in den Vereinigten Staaten zur Impfung gegen andere bösartige Wucherungen im Genitalbereich der Frauen zugelassen. Offen ist auch, ob Jungen die HPV-Impfung zu empfehlen ist – zur Verhinderung von Geschlechtsteilwarzen und zum Nutzen der Mädchen, weil man dadurch Infektionsketten zu durchbrechen hofft.

Zumindest fünf Jahre geschützt

Unklar ist, wie lange der Impfschutz anhält. Man kann davon ausgehen, dass geimpfte Mädchen und Frauen zumindest fünf Jahre geschützt sind, vermutlich länger. Solange man sich nicht sicher ist, benötigten diejenigen, die im empfohlenen Anfangsalter von zwölf Jahren oder etwas darüber geimpft wurden, möglicherweise mit siebzehn Jahren eine Auffrischungsimpfung. Sonst könnte der Impferfolg zunichtegemacht werden. Hierzulande sind bereits Hunderttausende geimpft, für die sich eine solche Frage in den nächsten Jahren stellen wird.

Wenn man vor Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen schützen will, muss dieser Schutz nicht nur früh genug beginnen, er muss auch dauerhaft aufrechterhalten werden. Dazu gehört die Aufklärung, dass man vor anderen Krebsviren ebenso wenig geschützt ist wie vor anderen Geschlechtskrankheiten. Statt eines Impftermins wäre deshalb ein Beratungstermin sinnvoller, der auch Fragen der Verhütung anspricht. Unausgesprochen bleibt auch die Bedeutung einer bestimmten Gruppe junger Mädchen und Frauen, die selten zur Vorsorgeuntersuchung gehen: sozial benachteiligte Frauen und Migrantinnen. Statistisch gesehen könnten sie aus einer Impfung größeren Nutzen ziehen als andere. Sie werden aber von den Impfstrategen bisher kaum beworben.

Mehr zum Thema im F.A.Z.-Wissenschaftsblog: Planckton

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