http://www.faz.net/-gqz-11ffq

Krebsimpfung : Sie wirkt, aber nützt sie auch?

  • -Aktualisiert am

Deshalb untersucht man, in welchem Ausmaß die Impfung eine Infektion verhindert und um wie viel weniger sich Krebsvorstufen entwickeln. Dabei sollten nur die gefährlicheren, höhergradigen Vorstufen oder ein Vorkrebsstadium berücksichtigt werden, Veränderungen also, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit endgültig in einen bösartigen Tumor verwandeln. Denn weniger problematische Vorstufen, die ein geringeres Risiko für eine Entartung bergen, bilden sich in mehr als der Hälfte der Fälle von selbst wieder zurück, sagen also nicht so viel über den Gewinn der Impfung aus. Wenn ein junges Mädchen noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, sich noch nicht mit den Viren 16 und 18 infiziert haben kann, dann schützt die Impfung zu fast hundert Prozent vor einer Infektion mit diesen beiden Viren. Das ist unstrittig, und es belegt eindrucksvoll die Wirksamkeit der Impfung.

Da es jedoch noch andere onkogene Humane Papillomviren gibt und da noch andere Faktoren, Rauchen etwa, den Entartungsprozess beeinflussen, lässt sich aus dieser Beobachtung – der Verhinderung einer Infektion durch zwei Viren – nicht ableiten, wie viele Krebsvorstufen und wie viele Tumoren später letztendlich dadurch verhindert werden. Das ist aber für die Abschätzung des Nutzens entscheidend. Die Untersuchung von Gebärmutterhalskrebsgewebe hat gezeigt, dass darin in rund siebzig Prozent der Fälle die beiden Viren 16 und 18 vorkommen. „Daraus zu schließen, dass sich mit der Impfung gegen diese beiden Viren siebzig Prozent der Krebsfälle verhindern lassen, ist gewagt“, sagt Jürgen Windeler, einer der Unterzeichner der Stellungnahme und leitender Arzt des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in Essen.

Weil die Entwicklung zum Krebs so lange benötigt, konnten alle bisherigen Studien noch nichts Endgültiges über die Verringerung der Krebsfälle aussagen. Sie sind daher, gleichsam ersatzweise, der Frage nachgegangen, wie stark die höhergradigen Krebsvorstufen durch die Impfung gegen die Typen 16 und 18 verringert werden. Hier beginnt die Crux, denn es gibt dazu keine einheitlichen, allseits akzeptierten Ergebnisse. Die europäische Zulassungsbehörde „Emea“ errechnet zum Beispiel eine Verringerung von 46,1 Prozent vor. Jede Zahl, die dazu heute genannt wird, ist allerdings vorläufig. Denn weil sich die Vorstufen über viele Jahre erst entwickeln, reicht die derzeitige Beobachtungsphase noch nicht aus, den endgültigen Nutzen zu quantifizieren.

Die Früherkennung funktioniert

In einem Auftritt zur Hausens vor der Presse in Heidelberg, die eigentlich anlässlich der Verleihung des Nobelpreises in Stockholm stattfand, ging es nicht zuletzt darum, was diese Vorstufen bedeuten können. Zur Hausen betonte nachdrücklich, dass bereits die Verhinderung von Krebsvorstufen ein Gewinn für die Frauen bedeute. Die bis heute übliche Früherkennung etwa habe in Deutschland die Todesrate beim Gebärmutterhalskrebs zwar deutlich verringert – die Zahl der Opfer wird auf 1600 geschätzt. Aber eine Vorsorgeuntersuchung verhindert nicht die Vorstufen der Entartung, sie erkennt sie lediglich.

Weitere Themen

Mit harter Hand

Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchzugreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

Glyphosat, angezählt

Streit um Herbizid : Glyphosat, angezählt

Ein brisantes Thema der vergangenen Jahre könnte in der kommenden Woche ein Ende finden. In Brüssel stimmen die Staaten über die weitere Zulassung für das Herbizid ab. Bleibt Deutschland Enthaltungsweltmeister? Die Befürworter von Glyphosat in der EU werden weniger.

Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will Video-Seite öffnen

Berlin : Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will

Zahlreiche Menschen sind in Berlin auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Hass im Bundestag zu demonstrieren. Es sei keine Demonstration gegen die AfD, so einer der Initiatoren. Dennoch nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, um ihren Unmut gegen die Partei zu äußern.

Topmeldungen

Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.

Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.