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Konzert Netzbeglückung

10.04.2009 ·  Mit Internet-Voting zum Wunschkonzert: Als „Online-Symphonie-Orchester“ versammeln sich per Youtube rekrutierte Topmusiker aus aller Welt in der New Yorker Carnegie Hall. Ob das virtuell gestartete Projekt zum virtuosen Klangkörper wird, kann ganz demokratisch im Netz verfolgt werden.

Von Christian Wildhagen
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Online hat Konjunktur, längst auch bei der Musik. Und das in derart prekärem Ausmaß, dass manchem Musiker die eigenen Stücke rascher aus den unendlichen Weiten des Netzes entgegenschallen, als sie den Weg auf eine Plattenseite gefunden haben. Erst jüngst brach die deutsche Verwertungsgesellschaft Gema deshalb einen Streit mit der Internet-Plattform Youtube vom Zaun – sah sie doch die Leistungsschutzrechte ihrer Komponisten durch diese Form einer globalen Vergemeinschaftung von geistigem Eigentum gründlich unterlaufen.

Tatsächlich ist es kein Geheimnis, dass in dem weltweiten Selbstbedienungsladen namens Internet so manche digitale Perle schimmert, die ihren Weg ohne Wissen des Urhebers in die Auslagen einschlägiger Websites gefunden hat. Sollte die Diskussion um Autorenrechte im Internet demnächst richtig in Gang kommen, droht den Betreibern daher neben finanziellem Ungemach auch ein gewaltiger Imageschaden: Niemand steht schließlich gern als moderner Raubritter am Pranger. Höchste Zeit also, etwas für den guten Ruf zu tun, und ausgerechnet Youtube geht dabei mit einem originellen Beispiel voran.

Per Mausklick ins Orchester

Unterstützt von führenden klassischen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern und dem Amsterdamer Concertgebouw, ruft das Videoportal über Ostern das erste „Online-Sinfonieorchester“ ins Leben. Wer nun glaubt, hier träfen sich rund um den Globus Musiker vor ihrer heimischen Webcam, um auf Startschuss die virtuelle Welt mit Klängen von Mozart oder Mahler zu beglücken, rät falsch; man sucht doch lieber die Begegnung im Realen – konkreter: in einem der Gralstempel klassischer Musik, der New Yorker Carnegie Hall. Hier werden neunzig Musikbegeisterte aus dreißig Ländern und Regionen der Erde zu einer „Mischung aus Gipfelkonferenz, Pfadfindertreffen und Kunsterlebnis“ zusammenkommen, wie der kreative Kopf des Projekts, der amerikanische Dirigent Michael Tilson Thomas, schwärmt.

Das Ungewöhnliche daran ist die Auswahl der Beteiligten: Aus mehr als dreitausend Bewerbungsvideos, ins Netz gestellt – und das selbstredend völlig freiwillig – via Youtube, haben Profimusiker zunächst zweihundert Top-Aspiranten destilliert und dann wiederum der Online-Gemeinde die letzte Entscheidung per Mausklickvotum überlassen. Ob nun diese globale Demokratisierung der Kunst ein entsprechend weltbewegendes Ergebnis zeitigt? Man wird es schon bald überprüfen können. Wie und wo? Natürlich im Netz.

Die Künstler stellen sich vor: Das Youtube-Orchester

Quelle: F.A.Z.
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