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„Star Wars“ : Sklaven im All

Das weibliche Gesicht der Macht: Rey (Daisy Ridley) mit Kugelroboter Bild: Lucasfilm

Die siebte „Star Wars“-Episode wirkt wie eine langwierige Hinführung zur achten. Vielleicht wird beim nächsten Mal endlich die Forderung von George Lucas umgesetzt, neue Welten zu erobern.

          Das Kino ist voll. Ach was: Die Kinos sind voll. Eines neben dem anderen. „Star Wars“ Episode VII läuft hier in drei Sälen gleichzeitig, rund um die Uhr. Es herrscht erwartungsfreudige Popcornstimmung. Die gelbe Laufschrift schiebt sich in 3D ins All. Wir lernen, dass die dunkle Seite der Macht jetzt als „Erste Ordnung“ firmiert und der „Widerstand“ nach wie vor dagegenhält. Alles wird gut, der epische Kampf Gut gegen Böse geht in die nächste Runde.

          Nach etwas mehr als einer Stunde ist Pause an diesem langen Kinoabend. Es macht sich Ernüchterung breit. Das, was da läuft, haben wir in der Saga Episode eins bis sechs alles schon einmal gesehen. Nur die Besetzung hat sich verändert. Luke Skywalker heißt jetzt Rey und ist ein Mädchen (das wie einst Luke mit nur einem Gesichtsausdruck auskommt). Auch zu Meister Yoda hat sich ein weibliches Pendant gefunden - in Orange statt in Grün. Der Maskenmann Kylo Ren trägt standesgemäß Schwarz, bleibt als Darth-Vader-Enkel und Repräsentant der dunklen Seite der Macht aber farblos: ein Milchbubi-Bösewicht. Kulissen, Anmutung der Planeten, Abfolge der Szenen, Dramaturgie - das ist alles bekannt: ein Museumsbesuch, „Star Wars“ im Retro-Look, zurück aus der Zukunft in der Gegenwart, in welcher der Disney-Konzern auf Nummer sicher geht.

          Das findet auch der „Star Wars“-Schöpfer George Lucas, der Disney 2012 sein Universum für vier Milliarden Dollar verkauft hat. Die Episoden eins bis sechs, die Geschichten, die Figuren, die gesamte „Star Wars“-Familie - das seien alles seine Kinder, erklärte er jetzt in einem Interview. Seine Kinder - von denen er sich getrennt habe. Beziehungsweise: Er habe sie an „white slavers“ verkauft, an „Menschenhändler“. Die Vokabel tat Lucas postwendend leid. Er nahm sie öffentlich als „unangemessene Analogie“ zurück, machte einen Kratzfuß und zeigte sich begeistert über den kommerziellen Erfolg, den Disney mit „Das Erwachen der Macht“ erzielt. Der Film hat nach wenigen Tagen weltweit mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt, mehr als viereinhalb Millionen Zuschauer hat er schon in die deutschen Kinos gezogen.

          Da kann man nicht meckern und sollte es halten, wie George Lucas es eigentlich vorhatte. Nach einer Trennung nicht anrufen, nicht heimlich nachsehen, was der andere macht, und schon gar keine klugen Ratschläge mehr geben. Die er in dem Interview, in dem er genau davor warnt, erteilt. Sein Trennungsschmerz muss groß sein. Und so mancher Fan mag ihn angesichts der siebten „Star Wars“-Episode teilen. Sie wirkt wie eine lange Hinführung zur achten. Vielleicht ist mit dieser dann auch die Welt des George Lucas, dessen Aufruf an Disney, mit „Star Wars“ tatsächlich neue Welten zu erobern, man genauso gut gegen ihn richten kann, wieder in Ordnung.

          Ein Mädchen weckt das Licht : Video-Filmkritik zu „Star Wars – Episode VII“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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          Quelle: F.A.Z.

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