Für die Branche kommt die Nachricht nicht überraschend. Aber auch die Kunden konnten es mitkriegen. Denn die beiden Buchkaufhäuser, die am Kölner Neumarkt um sie buhlen, traten schon lange nicht mehr wie gleichwertige Platzhirsche auf: Der eine, Gonski, seit 1987 hier ansässig, schien eher schlecht, der andere, die Mayersche, die sich 1998 nur zwei Blöcke weiter breitmachte, immer gut besucht. Von Anfang an war sie besser aufgestellt: direkter U-Bahn-Anschluß, einladendere Architektur, mit 4500 Quadratmetern fast anderthalbmal so viel Verkaufsfläche, die attraktiveren Lockvogel-Angebote. Und während auf dem Dach eine popartig auf den Kopf gestellte Eistüte von Claes Oldenburg als Blickfang thront, dient Gonski ein enigmatisches Fabelwesen von HAP Grieshaber, dunkelgrau im roten Quadrat, als Markenzeichen. Womöglich bildet sich genau darin schon der, wie sich nun herausstellt, überlebenswichtige Unterschied ab: Die amerikanischen Geschäftsmethoden haben sich gegen das traditionell-kulturorientierte Profil durchgesetzt. Jedenfalls soll es vor allem Gonski, die Kölner Filiale, sein, die Bouvier, mit vierzig Millionen Euro Umsatz Deutschlands zehntgrößte Buchhandlung, in die Insolvenz getrieben hat. In Köln und in Koblenz, so heißt es, hänge jetzt viel von der Nachgiebigkeit der Vermieter ab. Das Stammhaus des Unternehmens aber steht in Bonn, hier unterhält Bouvier fünf (seiner zehn) Buchhandlungen und ist eine Institution, die zur Stadt gehört wie das Museum König oder das Palais Schaumburg. 1828 von Aimé Henry und Max Cohen als Lithographische Anstalt, Kunst- und Schreibwarenhandlung gegenüber der Universität gegründet, residiert Bouvier seit 1898 Am Hof 28. Das ist mehr als eine erste Adresse für Bücher, ist geistiges Zentrum und gesellschaftlicher Treffpunkt, der Generationen von jungen und alten Semestern, Hochschullehrern und Bibliophilen ein studienbegleitendes Kolleg bot. Denn Thomas Grundmann, Sohn des Geschäftsführers, der 1938, von Hugendubel aus München kommend, in die Buchhandlung eintrat und sie 1953 von der verwitweten Schwiegertochter Max Cohens, die ihr ihren hugenottischen Mädchennamen gegeben hatte, übernahm, genügt es nicht, Bücher zu verkaufen: Als bekennender Rheinländer und kulturpolitisch umtriebiger Mäzen, der den Ernst-Robert-Curtius-Preis und die Beethoven-Stiftung gegründet hat, einen wissenschaftlichen Verlag unterhält und mehr als hundertmal im Jahr zwischen Koblenz und Köln seine Lesebühne aufschlägt, stellt er einen jener regional player dar, wie sie sich nicht nur leere Haushaltskassen verwaltende Kulturdezernenten landauf, landab wünschen. Sollte er nicht mehr weiterspielen können und von seinem Unternehmen nur der Bestseller, die hundertzwanzigtausendmal im Jahr verkaufte rote Leinentasche mit dem Grieshaber-Signet, weitergetragen werden, das Rheinland wäre um ein Stück Kultur ärmer.
aro.