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Kommentar : Schmeling

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Mit Max Schmeling ist nicht nur ein Idol, sondern der letzte Repräsentant der Weimarer Republik und ihrer kulturellen Blüte gestorben. Die Intellektuellen und Künstler dieser Ära liebten ihn seiner klugen Selbstbescheidung und Würde, ...

          Mit Max Schmeling ist nicht nur ein Idol, sondern der letzte Repräsentant der Weimarer Republik und ihrer kulturellen Blüte gestorben. Die Intellektuellen und Künstler dieser Ära liebten ihn seiner klugen Selbstbescheidung und Würde, seiner zutiefst zivilen Haltung wegen ebensosehr, wie ihn die Massen liebten, die in dem Mann mit der bescheidenen Herkunft einen der Ihren sahen. Und noch 1936, als man in Amerika den Namen Adolf schon als Fluch anwandte, tauften viele Amerikaner, als Max Schmeling in New York sich vom "braunen Bomber" Joe Louis seinen Titel als Weltmeister im Schwergewicht zurückholte, ihre Söhne auf den Namen Max. Den Ruhm, den dieser Sieg krönte, hatte er 1930 mit dem ersten Weltmeistertitel errungen. Gefestigt aber hatte er ihn mit einer Niederlage. Die stoische Haltung nämlich, mit der Max Schmeling 1932 den umstrittenen Punktsieg Jack Sharkeys über ihn hinnahm, ließ ihn fortan als Inbegriff einer höheren Tugend als der der Fairness gelten. Max Schmeling war nun allen der Anstand in Person - und damit ein Ideal Weimars: ein Bär von einem Mann, ein Boxer, der seine Schläge nicht verbissen, sondern überlegt und ruhig austeilte. Vor und nach seinem Erscheinen im Ring unerschütterlich gelassen und freundlich, war er das Urbild eines Zivilisten, den die Republik nach der wilhelminischen Vergottung des Soldatischen so dringend brauchte wie ihre demokratische Verfassung. Deshalb bewunderte Heinrich Mann den Sportler, suchten Bert Brecht, Fritz Kortner, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky und Heinrich George seine Freundschaft. Während Fernand Léger stählerne Maschinenmenschen als Typus der neuen Zeit malte, malte George Grosz Max Schmeling als das beseelte Gegenbild der Moderne - raubtierhaft geschmeidig, eine Angriffshaltung, die nicht blinde maschinelle Gewalt bezeugt, sondern ein Überlegen, das den Boxer sein Tun sachlich wie ein Ingenieur verrichten läßt. Mit derselben Ruhe und ungelenken, dadurch nur um so beeindruckenderen Würde absolvierte er alle Narreteien des Unterhaltungsgeschäfts, denen er sich, durchaus geschäftstüchtig, unterzog - belanglose Filme, eine Schallplatte - "Das Herz eines Boxers" -, die noch heute durch den unbeholfenen und doch souveränen Sprechgesang skurrilen Reiz hat; die in allen Gazetten präsente "Traumhochzeit" mit der zierlichen blonden Schauspielerin Anny Ondra. Mit ihm hätten die Nazis gerne Staat gemacht, doch es gelang ihnen trotz medienwirksamer Einladungen bei Hitler nicht. Sein Abstand zum Regime war diskret, aber fest. Die Fotografien, auf denen er 1940 als Fallschirmjäger zu sehen ist, zeigen einen Mann, dem die Uniform trotz Maßschneidern nicht passen will. Daß er 1938 zwei jüdische Jungen erst in seinem Haus versteckt und ihnen dann die Flucht nach Amerika ermöglicht hatte, wurde erst 1989 bekannt. Das ist so charakteristisch für diesen Mann wie sein klug-karger Satz: "Wenn es einem gutgeht, soll man dafür sorgen, daß es auch anderen gutgeht." Mit zahlreichen Stiftungen setzte er diese Maxime in die Tat um. So blieb er bis zum biblischen Alter von neunundneunzig Jahren ein bewunderter Mann.

          bat.

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