Die Mottenkugelwährung D-Mark ist verschwunden, die häßlich-provinziellen Postleitzahlen aus der Zopfzeit haben wir hinter uns, Raider heißt längst Twix, und die mähliche Privatisierung von Bahn, Post und Telekommunikation beweist strahlend, daß man aus einer mies etatistischen Planwirtschaft bloß den Plan operativ entfernen muß, schon erlebt man das Schönste, was die Menschheit kennt: eine richtige, deftige, brummende Wirtschaft mit Profit, Initiative, horrenden Werbekosten, neuen Volksliedern - "Man zahlt in einem fort Gebühr / und weiß längst nicht mehr, wofür" - sowie freier Konkurrenz, daß die Heide weint. Besonders der Bruch des Telekom-Monopols hat sich als Segen von Äonenreichweite erwiesen - kein Tag vergeht, an dem nicht der Druck durch Wettbewerber wie "Waswarnochmaldielangevorwahl" oder "dings.com" die Ausgeber der T-Aktie zu Serviceverbesserungen, technischen Neuheiten und komischen Gerichtsverfahren anstachelt. Vor allem zu letzterem: Da ist nun also beim Landgericht Köln entschieden worden, daß die kleine Berliner technische Dienstleisterfirma für Neue Medien "T-Konzept" ihr Logo mitsamt dem darin enthaltenen Buchstaben T, der dem "T" der Telekom tatsächlich so ähnlich sieht wie ein T dem anderen, aber nicht ähnlicher, vorerst behalten darf und der Streitwert von 500 000 Euro also nicht in die aufwendige Bemalung der schicken neuen Telefonmetalltotempfähle mit schwarzem Nagellack fließt. Aber daß diese rebellischen Berliner Zwerge, die, statt wie das Monsterunternehmen andauernd alle mit allen zu verbinden, den Tag mit der Entwicklung irgendwelcher Präsentationen und Anwendungen für Internet und CD-ROM verbringen, jetzt hämisch zum "T-Sponsoring" aufrufen und auf ihrer Website www.team-konzept.de die Solidarität von "anderen T-Opfern" sowie "aus dem Telekom-unabhängigen Teil der Medienwelt" erbitten, das kann ja wohl nicht wahr sein. Denn was, wenn nicht identitätsstiftende Kulturgroßtaten der Werbung, soll auf dem völlig freien Markt die Telekom noch von all den anderen Gesprächsabwicklungsanbietern unterscheiden? Wie soll sich der Kunde orientieren? Könnte da nicht am Ende jeder kommen? Wir leben in einer Zeit beispielloser Verbesserungen und Reformen, die eine ganz neue Epoche einleiten, um die uns unsere Enkel noch beneiden werden beziehungsweise umgekehrt. Das müssen auch Kleinkrämer der nicht mehr ganz so neuen Economy endlich einsehen. Und wenn eines nahen Tages auch dieser im Moment noch chaotisch gurgelnde Datenfluß begradigt ist und es also keinen Grund mehr gibt, Urheberrechte zum Machterhalt zu nutzen, die ursprünglich erfunden wurden, um Kreative vor ökonomisch Stärkeren zu schützen statt umgekehrt, dann kann man, bevor alles ganz langweilig wird, immer noch die Grundgebühr erhöhen.
dda