Was tun, wenn eine Mutter ihr Kind nicht will? Das Problem ist so alt, dass schon die Kirchen im Mittelalter häufig Stellen eingerichtet hatten, an denen Frauen ihre Säuglinge anonym abgeben konnten. Die erste Babyklappe in Deutschland wurde vor zehn Jahren eingerichtet. Die Diskussion über Für und Wider der öffentlich zugänglichen und geschützten Wärmebettchen dauert an, die Rechtslage bleibt unklar.
Jetzt hat der Deutsche Ethikrat eine Empfehlung abgegeben: Alle achtzig existierenden Babyklappen sollen geschlossen und außerdem anonyme Geburten, wie sie derzeit an etwa hundertdreißig Kliniken möglich sind, verboten werden. Denn diese Angebote, so die Argumentation, würden das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung verletzen. Auf diese Weise seien in den vergangenen zehn Jahren etwa fünfhundert Kinder zu „Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft“ geworden. Die Zahl der getöteten Kinder aber ist dem Ethikrat zufolge im gleichen Zeitraum nicht signifikant zurückgegangen.
Im höchsten Maße fahrlässig
Zweifellos ist das Wissen darüber, woher man kommt, um zu erfahren, wer man ist, wichtig. Um diese Identitätsgewissheit sollte kein Menschen ohne Not gebracht werden. Aber lässt sich diese Abstammungsforderung auch dann noch verteidigen, wenn sie das Recht auf Leben riskiert? Nicht nur die Literatur – von Charles Dickens über Heinrich Leopold Wagner bis Oscar Wilde – hat stets gezeigt, wie entscheidend das Tragen des eigenen Namens und die Gewissheit der Herkunft ist. Aber nur, wer lebt, kann danach forschen.
Die Babyklappe ist in vielen Fällen der allerletzte Ausweg vor der Kindstötung. Frauen in einer Extremsituation diese letzte Zufluchtstätte zu nehmen, nur weil das Kind später womöglich nicht erfahren wird, wer seine leiblichen Eltern waren, ist im höchsten Maße fahrlässig. Zwar streiten Fachleute darüber, ob Frauen, die ihr Kind töten wollen, Babyklappen oder Kliniken überhaupt noch aufsuchen. Bisher gibt es indes keine offizielle Statistik, die diese Annahme stützt. Deshalb kann auch niemand mit Gewissheit behaupten, dass nicht wenigstens eine der fünfhundert Frauen ohne die Babyklappe ihr Kind hätte sterben lassen. Die Babyklappen werden in Deutschland hauptsächlich von kirchlichen Einrichtungen unterhalten. Dass die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche dem Mehrheitsvotum widersprachen, zeugt nicht nur von christlicher Nächstenliebe, sondern ebenso von Realitätssinn.
Danke fuer Stellungsnahme!
Ruth Meier (wuestenblume55)
- 28.11.2009, 13:26 Uhr
500 gerettete Kinder
Inge Siller (dido07)
- 28.11.2009, 14:27 Uhr
Das Abstammungsproblem ist bald keines mehr
Paul Rabe (heidelpaul)
- 28.11.2009, 14:31 Uhr
"anonyme Kindesabgabe" ...
Ernst W. Thomas (EWT)
- 28.11.2009, 15:20 Uhr
Babyklappen dürfen nicht abgeschafft werden!
Katharina Böhme (catskin)
- 28.11.2009, 16:16 Uhr