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Kommentar : Gööck lebt

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Wertewandel, Leitkultur, alles futsch, den Bach hinuntergegangen? Gemach. Es gibt sie noch, die guten Leser, die mit dem Kanon im Kreuz. Die nicht nur die aktuellen Bestellerlisten hinauf- und hinunterlesen, sondern sich trotzig ...

          Wertewandel, Leitkultur, alles futsch, den Bach hinuntergegangen? Gemach. Es gibt sie noch, die guten Leser, die mit dem Kanon im Kreuz. Die nicht nur die aktuellen Bestellerlisten hinauf- und hinunterlesen, sondern sich trotzig an das Motto von Ludwig Marcuse erinnern - "Wie alt kann Aktuelles sein?" - und in den Antiquariaten nach den ewigen Werten suchen. Oder nach dem längst Vergriffenen. Oder nach dem Preiswerten. Der Internethandel mit gebrauchten Büchern ist demzufolge ein stark wachsender Markt. Was die Kunden dort suchen, war bislang ihr Geheimnis geblieben. Ob sie nach Erstausgaben fahnden, weil es noch immer keine vernünftige Tieck-Ausgabe auf dem Markt gibt, oder ob es um profane Billigleseware geht, das war nur den einzelnen Händlern bekannt. Aber ach, die Entzauberung der Welt schreitet auch in den Hinterzimmern der Antiquare voran. Jetzt wurde eine neue Bestsellerliste vorgestellt, eingerichtet vom Internet-Verbund der Antiquariate (zvab.com) und der Wochenzeitung "Die Zeit". Künftig wird man wöchentlich die zehn bestverkauften Titel aus dem Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher im Netz aufrufen können. Und da offenbart gleich die erste Liste doch Erstaunliches. Von unten nach oben: Auf Platz zehn steht Stifters "Bergkristall", gefolgt von Thomas Manns "Buddenbrooks", C. S. Forresters soeben neu aufgelegter Seeheldensaga um "Horatio Hornblower", der Chanson- und Kabarett-Anthologie Klaus Budzinskis, "So weit die scharfe Zunge reicht", Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem", Arthur Schopenhauers "Sämtlichen Werken", Georg Dehios "Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler", Albert Speers "Erinnerungen", Peter Scholl-Latours "Der Tod im Reisfeld". An der Spitze aber thront ein Buch, das 1963 zeitgleich beim Mosaik Verlag und beim Bertelsmann Lesering erschien: "Das neue große Kochbuch". Mit drei Millionen Auflage ein Meilenstein des deutschen Kochbuchgenres, verfaßt von einem Tausendsassa, dessen Nachleben heute nur durch Antiquariate gesichert wird: Roland Gööck. Der 1923 geborene Pfarrerssohn aus Thüringen, Wahloberpfälzer und Auflagenmillionär, hat gut zweihundert Bücher geschrieben, herausgegeben und lektoriert. Seine Bandbreite war schier grenzenlos: Vom Handwerker-Leitfaden bis zum populären Wissenschaftbuch, vom Schnapslexikon bis zum Fußball-WM-Bildband, Gööck hatte zu jedem Thema eine gut verkäufliche Buchidee. Er starb 1991, nun feiert er eine Renaissance, umgeben von Geistesheroen. Aber schon sein Bestsellerkollege Schopenhauer wußte: "Meistens belehrt uns erst der Verlust über den Wert der Dinge."

          hhm

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