03.02.2005 · Die Klett AG, zu der der Klett-Cotta-Verlag gehört, hat ein „Bildungswertpapier“ auf den Markt gebracht. Schon sind 14 Millionen Euro plaziert worden: ein Emmissionserfolg, der für Nachahmer sorgen wird.
„Gegenstand des Unternehmens ist: Betrieb von Verlagen, Erwerb, Halten und Verwalten sowie Veräußerung von bzw. an Beteiligungen an Unternehmen sowie Übernahme der Geschäftsführung von Handelsgesellschaften.“
So beschreibt sich die Ernst Klett AG, zu der mit Klett-Cotta einer der renommiertesten deutschen Literaturverlage gehört, in einem Verkaufsprospekt für den Kapitalmarkt. Was die Verleger heute alles in der Schule des Marktes lernen müssen - die armen großen Gehirne. Doch dieser Stilbruch lohnt sich in Zeiten, wo Bildung längst keine Frage mehr des Geistes allein, sondern vor allem eine des Geldes ist.
Den Trend erkannt
Gerade erst zeigte der für das auf solide Absicherung bedachte deutsche Kreditwesen revolutionäre Plan der Kreditanstalt für Wiederaufbau, einen Studentenkredit anzubieten, daß der Nutzen einer prosperierenden Bildungsdebatte für blühende Geschäfte erkannt worden ist.
Und diesen Trend hat auch Klett erkannt: Am Mittwoch brachte die vollständig in Familienbesitz befindliche Aktiengesellschaft - mit zugehörigem Schulbuchverlag, Sprachlernangeboten und Fernschulbetrieb seines Zeichens einer der größten privaten Bildungsanbieter des Landes - eine Schuldverschreibung auf den Markt, die auf den schönen Namen „Bildungswertpapier“ getauft wurde.
Ein scheues Wild
Nun ist Kapital, einem Bonmot der Börse zufolge, ein scheues Wild und gewiß nicht nur durch hehre Werte aufs Parkett zu locken. Zumal die demographische Entwicklung auf dem Schulbuchmarkt schon für einigen Klettverdruß gesorgt hat. Deshalb hat das Haus den Anlegern mit sieben Prozent Verzinsung ein ungewöhnlich lukratives Angebot gemacht, was darauf zurückzuführen ist, daß das Unternehmen die Plazierung der Anleihe selbst in die Hand genommen hat. Der Anleger kann die Schuldverschreibungen also direkt beim Unternehmen zeichnen. Das ist kein neues, aber immer noch ein ungewöhnliches Verfahren, das die Banken verständlicherweise nicht erfreut, und nur Schuldner mit gutem Ruf können es sich leisten.
Klett hat als erstes Haus aus dem Verlagsgewerbe erkannt, daß das symbolische Kapital eines im Kulturbereich eingeführten Namens den Zugang zu Finanzkapital begünstigt, weil die Anleger den Emittenten schon kennen. Begeben wurden von Klett Papiere über 25 Millionen Euro, gestückelt zu jeweils tausend Euro. Bis zum Sommer, so hoffte das Unternehmen, sollte das gesamte Anleihevolumen an den Mann gebracht sein.
Doch am 1. Februar, dem Beginn der Laufzeit der auf fünf Jahre befristeten Anleihe, waren schon 14 Millionen Euro plaziert. Bei einem solchen Emissionserfolg darf man wohl bald mit Nachahmern aus der Branche rechnen. Klett jedenfalls berauscht sich nicht nur am neuen Vermögen, sondern stärkt damit das eigene Profil: Wesentliche Teile werden für den Erwerb der Österreichischen Bundesverlage und für die Expansion im Bereich Fernschulen verwendet. Hier wird also doch ganz real in Bildung investiert. Ein weiser Klettbeschluß.