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Kommentar Der Ex kommt

 ·  Der absolute Albtraum vieler Frauen, die schlimmste Situation, die sie sich überhaupt vorstellen können, ist ein spontaner Besuch von Kai Pflaume. Falls nun jemand protestiert, das wäre doch gar nicht so übel, dem sei gesagt, daß ...

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Der absolute Albtraum vieler Frauen, die schlimmste Situation, die sie sich überhaupt vorstellen können, ist ein spontaner Besuch von Kai Pflaume. Falls nun jemand protestiert, das wäre doch gar nicht so übel, dem sei gesagt, daß Kai Pflaume in diesem Albtraum nicht allein käme: Er hätte nämlich eine Videokassette dabei, und die würde er sich mit der überraschten Dame des Hauses gern anschauen wollen. Das tut er dann auch, und Millionen Fernsehzuschauer von "Nur die Liebe zählt" gucken mit. Die Kassette enthält eine persönliche Botschaft von einem Verehrer der Dame, die freilich keinen blassen Schimmer hat, wer das sein könnte - und sich gleich wünschen wird, sie hätte es nie erfahren. Der ihr da seine Liebe gesteht, ist nämlich ganz und gar nicht vom Kaliber Kai Pflaumes, sondern bloß der bläßliche Bürokollege mit dem höllischen Mundgeruch, dem sie im Büro immer aus dem Weg zu gehen sucht. Oder, noch schlimmer, der mühsam abgeschüttelte Exfreund, der sich als größter Fehlgriff ihres Lebens herausgestellt hat. Die einzig mögliche Steigerung dieser Peinlichkeit sah bislang so aus: Die Frau ist bei Kai Pflaume im Studio, mit einemmal betritt ihr Exfreund die Bühne und singt eine fürchterlich getextete, dissonant vorgetragene Verzeih-mir-Schnulze. Jetzt aber macht sich Sat.1 daran, einen Albtraum zu erschaffen, der das Entsetzen noch viel weiter treibt, eine Sendung, die die schrecklichsten Elemente aus "Nur die Liebe zählt" und "Big Brother" vereint: "Kämpf um Deine Frau" heißt die Show, die im September starten soll und in ein kameraüberwachtes Camp zwölf Männer einsperrt, die nach Sat.1-Angaben eines gemeinsam haben: "Die Beziehung steht vor dem Aus oder ist gerade gescheitert, und ihr größter Wunsch ist es, die Herzen ihrer Frauen zurückzuerobern." Zehn Wochen lang sollen die Internierten "Aufgaben erhalten, die dazu dienen sollen, die Sympathien ihrer Frauen zurückzugewinnen". Der schlimmstmögliche Albtraum einer Frau sieht vom Herbst an also so aus: Sie schaltet den Fernseher ein und sieht ihren Exfreund oder Exgatten. Er sitzt im Kreis mit weiteren elf Exxen, die einander allesamt selbstmitleidig davon berichten, wie gut ihre Verflossene doch gekocht hat und wie schön es zusammen im Bett war. Und als ob das nicht genügte, muß sie auch noch mitansehen, wie der einstige Geliebte, um ihre Sympathie zurückzugewinnen, alberne Geschenke bastelt, auf dem Laufband einen schweißtropfenden, vergeblichen Kampf gegen seine Wampe ficht und öffentlich gelobt, er werde, sobald er hier herauskomme, endlich die seit Wochen verstopfte Spüle reparieren. "Socialtainment" nennt Sat.1 diese neue Form der Fernsehunterhaltung, die die "zweite Entwicklungsstufe nach der Reality" sei. Und tatsächlich dürfte diese Zurschaustellung ihrer sozial unterentwickelten (Ex-)Männer den betroffenen Frauen beweisen, daß das Fernsehen immer noch eine Stufe schlimmer ist als das wahre Leben. Einen echten Gewinn verbuchen werden allein jene Damen, deren Kerle sich bislang hartnäckig weigerten, die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Für die Sat.1-Sendung gehen sie sogar freiwillig. Und in zehn Wochen bleibt ja genügend Zeit, das Schloß auszuwechseln.

jöt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004, Nr. 126 / Seite 42
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