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Koffein Die mit den Kulleraugen

13.08.2002 ·  Talkgipfel bei n-tv: Zur 500. Sendung Sandra Maischbergers bei n-tv gratulierten Maybrit Illner und Sabine Christiansen. Es gab Kaffee und Kuchen.

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Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen als feministisches Statement zu betrachten, wäre uns bislang nicht in den Sinn gekommen. Am späten Montag nachmittag aber waren die Talkmasterinnen Maybrit Illner und Sabine Christiansen zu Gast bei ihrer Kollegin Sandra Maischberger, um dort ein kleines Kaffeekränzchen abzuhalten: Noch etwas Milch, Frau Christiansen?

Die Requisiten waren mit Bedacht gewählt: Hatte es doch irgendein Zeitungsschreiber vor dem Talk-Gipfel anlässlich Maischbergers 500. Sendung bei n-tv gewagt, eben diese Metapher einer Kaffeetafel, eines gemütlichen Plausches unter Damen zu verwenden. Dass die prominenten Fernseh-Frauen prompt zu den Kaffeetassen griffen, war gleichermaßen (selbst-)ironische Geste wie spöttischer Wink zu dem Pressekollegen, der daraufhin seinen Blick verschämt vom Bildschirm hätte abwenden müssen.

Ansehbare Sendungen, ansehnliche Frauen

Und trotzdem wirkte das kleine Schauspiel ein wenig unsouverän: Dass diesen drei Journalistinnen, jede längst entweder durch hohe Quoten, durch angesehene Preise oder durch beides geadelt, es für nötig erachteten, auf läppische Zeitungsartikel zu reagieren, überraschte dann doch. Ebenso, dass sie Sendezeit für die Klage verwendeten, bei ihnen werde stets ihre Kleidung für wichtig befunden, während das bei Männern ganz egal sei.

Sicher: Es muss Christiansen, Illner und Maischberger gehörig auf die Nerven gehen, dass über die wachsende Zahl zumeist junger Politjournalistinnen im Fernsehen gern in einem Tonfall berichtet wird, den man so ähnlich bei der ersten Mondlandung anschlug - und dass das Lob männlicher Kollegen so väterlich oder gar großväterlich gönnerhaft daherkommt wie beim „Monitor“-Veteranen Claus Hinrich Casdorff (77), der in der „Welt“ vom Montag die drei Talksendungen so „ansehbar“ fand wie ihre Gastgeberinnen „ansehnlich“. Besonders pries Casdorff Sandra Maischberger. Für ihr „Einfühlungsvermögen“ - sowie für ihre „Kulleraugen“. Darüber kann man eigentlich nur noch lachen. Und gelacht wurde am Montag bei Maischberger reichlich: Christiansen war entspannt wie selten, Illner munter wie stets, und nur Maischberger - anders als die anderen beiden schließlich im Dienst - wirkte nicht völlig gelöst.

Distanz zu Klaus Wowereit

Man musste schon sehr naiv sein, um zu erwarten, die drei Konkurrentinnen würden sich einen munteren Schaukampf darum liefern, wer von ihnen nun die beste sei: So unprofessionell, sich auf so etwas einzulassen, sind im Fernsehgeschäft die wenigsten, und die drei hier Versammelten schon gar nicht. So wurden vor allem Höflichkeiten ausgetauscht. Christiansen ist mit Illner ohnehin per du, und von Maischberger nach Unterschieden zwischen beiden Sendungen befragt, verwies sie diplomatisch auf „ganz spezielle Eigenarten“ etwa in der Fragetechnik.

So locker es in der Runde zuging - eine Blöße leistete sich niemand, und einig war man sich ohnehin. Keineswegs seien die Talkshows, wie von Wolfgang Thierse beklagt, ein Parlamentsersatz - eher fungiere man, so Christiansen, für die Politik als „Tempogeber“ -, keineswegs würden die Talkshows von den Politikern als Bühne zur Selbstdarstellung missbraucht; denn die Inszenierung, wie Illner konstatierte, ging bei manchem ja schon gründlich daneben. Versuche der Vereinnahmung gebe es natürlich, doch wahre man jederzeit professionelle Distanz. Auch zu Klaus Wowereit: Mit ihm, dem sie angeblich besonders herzlich verbunden ist, sei sie lediglich „ein- oder zweimal im Winter gemeinsam ausgegangen“, beteuerte Christiansen.

Die Waffen der Frauen

Gern hätte der Zuschauer mehr über die Erfolgsrezepte der Moderatorinnen erfahren, etwa über das von Illner so genannte „Waffenarsenal“, mit dem sie schwierigen Gesprächspartnern zusetzt. Dazu gehört auch das mitleidige Lächeln: Damit könne sie problemlos jemanden „fertig machen“. Gelächelt wurde viel am Montag, die Waffen aber blieben stecken. Einzig als Maischberger etwas umständlich wissen wollte, wie die Vorbereitung auf das von Christiansen und Illner gemeinsam moderierte „TV-Duell“ zwischen Schröder und Stoiber „zu verstehen“ sei, konnte sich Maybrit Illner eine kleine Spitze nicht verkneifen: „Wie ist die Vorbereitung zu verstehen? Die Frage verstehe ich nicht.“

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