13.11.2002 · Product Placement und mehr: Der neue Bond wirft medial seine Schatten voraus.
Der neue „Bond“ wirft seine Schatten voraus. Am 28. November läuft er in den deutschen Kinos an. „Time“ widmet dem Film seine Cover-Story. Das Magazin beweist, dass Film-Vorberichterstattung nicht zum verlängerten Arm der Filmvermarktung werden muss, sondern intelligent gemacht sein kann.
Wer dieser Tage einen der vielen Bond-Filme sieht, die im deutschen Fernsehen als Countdown zur neuesten Fortsetzung, „Stirb an einem anderen Tag“, ausgestrahlt werden, dem fällt auf, wie wenig die frühen Bond-Filme auf Action setzten und wie sehr sich die 007-Filme gleichen. Einige Szenen sind jedoch unverwechselbar einmalig: zum Beispiel jene Szene im ersten Bond, „Dr. No“ (1962), in der Ursula Andress im Bikini aus dem Wasser steigt. An diese Szene erinnert sich auch Halle Berry, die jüngste Gespielin des Agenten. Dem „Time“-Magazin verriet sie jetzt, was sie damals dachte: „Wow, wäre das nicht toll, zu sein wie sie?“ Jetzt hat sie es geschafft - und zollt ihrem Vorbild im neuen Bond in einer Bikini-Szene Tribut.
Wer hinter den Broccolis steckt
Aus „Time“ erfährt man auch, wer hinter der in London ansässigen Produktionsfirma Broccoli steckt. Der unverwechselbare Name Alberto Broccoli, der so exotisch klingt wie die Namen der Bösewichter im Film, schmückt seit jeher den Vorspann von „007“-Filmen. Man erfährt etwa, welchen Verführungen die in London ansässige Firma Broccoli widerstehen muss, damit Bond seinen Charakter nicht verliert: zum Beispiel der, die Bösen immer monströser werden zu lassen. Alberto Broccoli starb übrigens 1996. Seine Tochter und sein Stiefsohn führen sein Erbe fort. Deren schwierigste Aufgabe wird es sein, einen Nachfolger für Pierce Brosnan zu finden, der bislang nur für einen weiteren Film verlängert hat. Brosnan wird von manchen schon auf eine Stufe mit Sean Connery gestellt. Der „Time“-Autor hält ihn sogar für den besten Bond-Darsteller aller Zeiten.
Rekordverdächtiges Product Placement
In einer Hinsicht wird der neue Bond alle Rekorde brechen: 120 Millionen Dollar haben so genannte „Business-Partner“ in die 20. Ausgabe des Agentenfilms investiert. „Time“ witzelt, man sollte den Film „Buy Another Day“ nennen. „Bond“ war von Anfang an ein Vorreiter für Product Placement. So warben in „Dr. No“ Firmen wie Pan Am, Red Stripe und Smirnoff. „Die Another Day“, so „Time“, setzt neue Standards. Ungefähr 20 Markenhersteller sind an dem Film beteiligt, von Finlandia Wodka über 7-Up bis zu Norelco-Rasierern (die direkt neben dem Artikel auch auf der Website von „Time“ werben). Der Autohersteller Ford sorgt mit den Aston Martins für Bond, den Jaguars für den Bösewicht Zao, Thunderbirds für Jinx (Halle Berry) und diversen Range Rovers für den Fuhrpark. Nicht alle Marken sind im Film als solche zu sehen, einige dürfen aber in den nächsten Wochen auf ihren Produkten damit werben, offizielle Ausstatter des Agenten seiner Majestät zu sein. Im Film selbst ist prominent die Champagnermarke Bollinger vertreten. Pierce Brosnan spricht deren Namen in „Stirb an einem anderen Tag“ so klar und vernehmlich aus, dass man die Szene auch gleich als Werbespot verwenden kann.
Die Rolle der Bond-Girls
Ein anderer Beitrag in „Time“ setzt sich kritisch mit den Bond-Girls auseinander. Der Autor, in Jamaica geboren, erinnert sich an den ersten Bond-Film, Dr. No, der in Jamaica spielte. Er habe sich damals gefreut, zum ersten Mal eine Jamaicanerin in einem Film zu sehen, sei jedoch über ihre Rolle enttäuscht gewesen. „Obwohl der Film in Jamaica spielte, handelte er ganz klar nicht von den Jamaicanern“. Er bedauert auch, dass die wenigsten Bond-Girls später Film-Karriere gemacht hätten.
Außerdem weiß der Autor: Obwohl Bond oft kluge und emanzipierte Frauen verführt habe, darunter eine Atom-Physikerin, dienten sie als verfügbare Bestätigungen für Bonds männliche „Omnipotenz“. Das ist wohl auch ein Grund für den Erfolg des ganzen Films. So wie Tarzan Mitte des 20. Jahrhunderts, dient Bond auch im 40. Jahr seiner Existenz dazu, dem europäischen (und amerikanischen) Mann zu demonstrieren, dass er die Kontrolle behalten hat: über die Dschungel Afrikas, die internationale Politik und die Frau des 21. Jahrhunderts.