03.06.2002 · Comic und Weltliteratur, Manga und Marktvertrauen: Eine Medienschau zum Abschluss des Erlanger Comic-Salons.
Die „Welt“ hat eine gute Idee. Nach Jahrhunderten der Faszination von „1001 Nacht“ und ihren Erzählungen in der Erzählung, nach Tausenden von Hamlet-Inszenierungen mit dem Theaterstück im Theaterstück könnte diese Art der Verschachtelung, schlägt die Zeitung vor, eigentlich auch im Comic angekommen sein. Immerhin kommt so ziemlich alles früher oder später, meist jedoch äußerst rasch, im Comic an.
Die Weltliteratur zum Beispiel. Auf einer Comic-Salon genannten Messe in Erlangen wurde ein „Meta-Meisterwerk“ mit dem „deutschen Comic-Oscar“ ausgezeichnet, das seinerseits „100 Meisterwerke der Weltliteratur“ als Bildgeschichten resümiert, ein jedes auf einer Seite. Von Brett Easton Ellis über Friedrich Dürrenmatt bis zu Astrid Lindgren reicht das Spektrum der gewürdigten Arbeiten. Allein, es fehlt, stellt „Die Welt“ fest, ein Vertreter des literarischen Genres „Comic“ in der Sammlung.
Unberechenbarer Manga-Markt
Was es in Erlangen sonst noch zu sehen gab, pointiert die Zeitung so: „Blasse Männer mit langen Haaren tragen bunte T-Shirts mit fetten Botschaften und sammeln kleine Bildchen von starken Männern mit blickdichten Strumpfhosen.“ Der „Süddeutschen Zeitung“ hingegen ist bei ihrem Blick in die Runde etwas anderes aufgefallen: Die „MangaZone“, ein Spezial-Bereich, gewidmet den japanischen Comics, die sich hier zu Lande nun schon im dritten Jahr größter Beliebtheit erfreuen.
Ein Vertreter des deutschen Manga-Marktführers Carlsen wird allerdings mit der Einschätzung zitiert, man könne auf diesen Boom nicht unbedingt vertrauen: „Die Leute, die Mangas lesen, sind nicht unbedingt die typischen, treuen Comic-Leser.“ Außerdem seien die Comics nicht unumstritten, wie die Zeitung ausführt, spielten sie doch „unbekümmert mit brutaler Gewalt und den erotischen Reizen von sehr jugendlichen Figuren“. Immerhin seien die „Pokémon“, jene vor zwei Jahren äußerst erfolgreichen Figuren, die als Comic- und als Fernsehserie, als Sammelbildchen und Computerspiele vermarktet worden ist, wieder nahezu von der Bildfläche verschwunden.
Empfindliche Behörde
Einen Blick hinter die Bildfläche des Comic-Salons haben die „Erlanger Nachrichten“ geworfen. Dort soll es zu Verstimmungen zwischen dem Leiter der Messe und dem Kulturamt gekommen sein. Mit 40.000 Euro habe Karl Manfred Fischer, zehnmaliger Leiter des Comic-Salons, das Budget im vergangenen Jahr überzogen. Außerdem wären die Überstunden, die im Kulturamt durch die Veranstaltung anfallen würden, nicht hinnehmbar.
Fischer wehrt sich zwar nicht gegen die Vorwürfe, aber gegen die Haltung, die aus ihnen spricht: „Wer hier auf Einhaltung von Dienstzeiten und festgezurrte Etats poche, riskiere einen erheblichen Prestigeverlust für Erlangens prominenteste Kulturprojekte“. Zu ihnen zählen neben dem Comic-Salon das Poetenfest Ende August und ein Figurentheater-Festival, die Fischer ebenfalls organisiert.