Fristlos! Eine dramatische, bizarre, fast schon eine antike Vokabel in unserer arbeitsrechtlich so lückenlos abgesicherten Wirklichkeit. Der Stadtrat in Köln gab am Donnerstagabend bekannt, er habe den Kölner Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg entlassen, und zwar „fristlos“, weil er die Stadtväter öffentlich „unfähig“ genannt und in einem Interview der „Intrige“ geziehen hatte. Über den Wahrheitsgehalt dieser Vorwürfe wollen wir jetzt und hier lieber gar nichts sagen.
Zwischenlösung und Ersatzbank
Das wird sowieso demnächst vor Gericht geklärt werden; denn Laufenberg kündigte, gut gelaunt, aber postwendend an, er werde die Kündigung selbstverständlich juristisch anfechten; auch wolle er, wie vorgesehen, in Resterfüllung seines Vertrags in der nächsten Spielzeit die Rolle des Professors Higgins übernehmen in der Premiere von „My Fair Lady“, die Bühnenbilder seien schließlich schon fertig. Und soll man die jetzt etwa wegwerfen? Wart’s nur ab, Henry Higgins! Laufenberg ist ein erfahrener Theatermann. Er weiß, wann und wie man publikumswirksam Pointen zündet. Er ist auch ein erfolgreicher Intendant. In seiner Amtszeit stieg die Auslastung der Kölner Oper auf neunzig Prozent, der Spielplan expandierte, die Kritiken wurden immer besser, das Publikum strömte. Hilft aber alles nichts. Außerdem fehlen nun zwei Millionen Euro, um die kommende Spielzeit abzusichern. Und der Stadtrat dreht eisern weiter an der Sparschraube: Das Opernhaus, so die Zwischenlösung, möge den Fehlbetrag als Kredit aufnehmen, was das Problem der Unterfinanzierung bekanntlich nicht löst, nur vertagt und vergrößert. Generalmusikdirektor Markus Stenz, dieser nun schon seit Monaten andauernden Kämpfe müde, erklärte Anfang der Woche, er werde seinen Vertrag nicht verlängern.
Dies ist genau der richtige Augenblick für einen finalen Theaterdonner. Wenn nun, nach Stenz, auch Laufenberg ginge oder gegangen würde, wenn diese Kündigung tatsächlich rechtskräftig würde, stünde eines der noch vor wenigen Monaten blühenden Opernhäuser Deutschlands ohne Leitung da. Und das mitten im Umbau, drei Monate vor Beginn der Spielzeit 2012/13. Wollen die kölschen Stadtväter ihr Opernhaus vielleicht abschaffen? Wer sollte rettend einspringen? Wir schauen uns um, und siehe da - auf der Ersatzbank sitzt schon jemand: Georg Quander, zurzeit Kölner Kulturdezernent, hat schon öfters Ambitionen gezeigt, selbst ein Opernhaus zu übernehmen. Wir reden nicht von „Intrigen“. Aber das Wort „Schattenintendant“ wird wohl erlaubt sein.
Der Pakt des Intendanten mit dem Teufel
Winfried Trümper (wtruz)
- 23.06.2012, 19:28 Uhr
Dramatischer Besucherrückgang und Mio.-Defizit der Kölner Oper
wohl kein Thema für Frau Büning
Martin Krenz (Krenzma)
- 23.06.2012, 18:52 Uhr
Daniel
Daniel Cahen (cledefa)
- 23.06.2012, 18:02 Uhr