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Kölner Dom Nase zu und durch

22.07.2010 ·  Die Ostseite des Kölner Doms ist zum Unort verkommen, doch am Sanierungskonzept wird gespart. Die Usancen der Förderpolitik verleiten zu halben Lösungen.

Von Andreas Rossmann
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Es stinkt dort buchstäblich zum Himmel, und das, obwohl sich gleich dahinter Deutschlands größtes Gotteshaus erhebt. Die Ostseite des Kölner Doms, da sind sich die Lokalpolitiker parteiübergreifend einmal einig, ist zum Unort verkommen, und so genießt ihre Neuordnung „höchste Priorität“. Ein Förderprogramm des Bundes, das für den Erhalt der Welterbestätten aufgelegt wurde, versprach zwei Drittel des Betrages, der nötig wäre, um gründlich Abhilfe zu schaffen. Doch hat das Bauministerium der Stadt bei ihrem ersten Antrag statt vierzehn Millionen lediglich hunderttausend Euro bewilligt, und die waren, da ein Gesamtkonzept vermisst wurde, nicht für die Domumgebung, sondern für die Restaurierung von acht Chorpfeilerfiguren einzusetzen.

Was die Kölner konsterniert, aber nicht davon abgehalten hat, im zweiten Anlauf sogar sechzehn Millionen Euro anzupeilen. Bekommen aber werden sie fünf - „nur“ oder „immerhin“, „enttäuschend“ oder „besser als gar nichts“, darüber streiten sie nun munter. Auch der Bund muss sparen, und so hat er in der zweiten Runde nicht noch einmal hundertfünfzig Millionen, sondern nur knapp die Hälfte für alle dreiunddreißig Welterbestätten bereitgestellt. Doch fünf Millionen Euro, so der Kölner Baudezernent, reichen bei mehr als viermal so hohen Gesamtkosten nicht aus, und in mehreren Schritten lässt sich die städtebauliche Neuordnung nicht umsetzen.

Halbe Lösungen

Die Usancen der Förderpolitik selbst und wie sich die klammen Kommunen nach ihnen richten (müssen), so zeigt sich hier einmal mehr, verleiten zu halben Lösungen, die doch, siehe die Ablehnung des ersten Antrags, gerade verhindert werden sollten. Nur, die Mittel nicht abzurufen und verfallen zu lassen, da wäre man ja schön blöd, kann sich die Stadt erst recht nicht leisten, und so wird sie sich wohl ans Land wenden, wo das doch gerade eine neue Regierung und der Oberbürgermeister nun wieder bessere Kontakte hat.

Viel Zeit darf nicht verlorengehen, doch sollte sie dafür reichen, sich den Bundeszuschuss genauer anzusehen. Denn die fünf Millionen Euro werden nicht für die Sanierung der Welterbestätte Dom, sondern ihres Umfelds gewährt. Stadtentwicklung aber ist eine verfassungsrechtlich eindeutig kommunale Aufgabe, und so sollten die Kölner schnell zugreifen und ihnen für eine neue Fassung ihres Wahrzeichens nichts zu schade sein. Nase zu und durch. Könnte doch auch das Geld, so jemand an seiner Verwendung Anstoß nimmt, zu stinken anfangen.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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