Tut uns leid, doch „die allgemeine wirtschaftliche Situation“ hat „die in Aussicht gestellten Spenden hinfällig werden lassen“. So lapidar und so dreist hat sich die „Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur“ in Köln nun von einem Projekt verabschiedet, das im Bau wie auch im Betrieb zu finanzieren sie 1997 angetreten war. Und das gerade mal vier Wochen nachdem sie den Eindruck vermittelt hatte, es bedürfe allein noch der Gründung einer Stiftung, um die teilweise schon zugesagten Gelder einzusammeln.
War wohl nichts! Nebbich! Zurück zum Start! Aber das geht nicht mehr. Das Vorhaben ist nicht aufzuhalten, und das schon aus Imagegründen: Die Nachricht, das Jüdische Museum nicht zu bauen, kann sich die Stadt Köln nicht leisten. Aber auch das eingeschlagene Verfahren erlaubt das nicht mehr. Denn auf der Freifläche vor dem Rathaus, einer Kriegswunde und innerstädtischen Brache, soll ein Doppeldecker stehen: Unten sitzt die Archäologische Zone, die das Getto der wahrscheinlich ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen freilegt, und darüber thront das Museum, das dem Grabungsfeld eine Schutzhülle bietet und als Raumfachwerk in die Stahlgitterkonstruktion einer sechs Meter hohen Halle „eingehängt“ werden soll.
Das Museum muss sein. Aber wie wird es aussehen?
Die beiden „Bausteine“ lassen sich zwar nacheinander realisieren, aber nicht entkoppeln – so der Clou des Entwurfs, mit dem die Saarbrücker Architekten Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch den Wettbewerb gewannen. Dieses Junktim setzt die Stadt nun unter Zugzwang, denn der erste Spatenstich muss im nächsten Jahr erfolgen, sonst riskiert sie, die Fördermittel für die Archäologische Zone zu verlieren, die das Land im Rahmen des Strukturprogramms „Regionale 2010“ bereitstellt.
Was an Spielraum bleibt, ist allein die Möglichkeit, den Bau zu verkleinern, und so hat der Oberbürgermeister schon vorgeschlagen, das Museum so weit abzuspecken, dass es zu einer Abteilung der Archäologischen Zone – statt umgekehrt! – wird. Die für ihre Possen berüchtigte Kölner Kommunalpolitik ist um eine Kapriole reicher, nur dass sie diesmal eine bislang unbekannte ironische Volte schlägt. Denn der hochstapelnde Trägerverein darf sich nicht sicher sein, eines schönen Tages nicht als, wenn auch trickreich-gerissener Wohltäter dazustehen. Hat er die Stadt doch nicht nur vorgeführt, sondern mit unlauteren Mitteln zu einem Museum verführt, das kulturellen wie auch städtebaulichen Gewinn verspricht.