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Klimagipfel : Wenn das Klima nur eine Bank wäre!

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Klimawandel und Migration könnten bald mehr miteinander zu tun haben, als uns lieb ist. Daher sollte die Klimapolitik angesichts der Flüchtlingsproblematik nicht ins Hintertreffen geraten. Bild: dpa

Warum waren die Klima-Gipfel bisher fast alle Pleiten? In Paris muss das anders werden. Eine Rekapitulation des Versagens.

          Nun steht er also vor der Tür, der nächste Klimagipfel: Vom 30. November bis zum 11. Dezember werden sich in Paris zunächst Klimadiplomaten und dann Minister und Regierungschefs aus 195 Staaten treffen, um der Erwärmung der Erdatmosphäre Grenzen zu setzen. Die COP 21, die einundzwanzigste Konferenz der Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention, soll diesmal nicht so kläglich enden wie so viele der jährlich stattfinden Treffen zuvor. Als Beispiel gilt vor allem der Klimagipfel von Kopenhagen, der 2009 so krachend scheiterte, dass nicht wenige Experten frustriert das Handtuch warfen und vom Ende des Multilateralismus in der Klimapolitik die Rede war.

          Wie sieht es nun, wenige Wochen vor dem nächsten großen Gipfel, mit den Erfolgsaussichten der völkerrechtlichen Klimapolitik aus? Schauen wir zunächst auf die jüngere Geschichte. Um 1990 konnte man aus guten Gründen der Überzeugung sein, die politische Bekämpfung der Ursachen des Klimawandels sei auf einem guten Weg. Tatsächlich gelang es auch, den fertigen Klimavertrag 1992 in Rio zur Zeichnung auszulegen und ihn zwei Jahre später in Kraft zu setzen. In Wahrheit aber hatte sich die Agenda der Weltpolitik längst radikal verschoben. Durch das Ende der bipolaren Welt und den Zerfall der Sowjetunion war Kontinentaleuropa vor allem mit seiner politischen und ökonomischen Neuausrichtung beschäftigt und versuchte, seine Rolle in der neuen Weltordnung vor allem durch Wachstumspolitik zu finden.

          Vorsorge ist günstiger als Schadensregulierung

          Die angelsächsische Welt wiederum, in den achtziger Jahren von Margaret Thatcher und Ronald Reagan geprägt, war unter den Adepten John Major und Tony Blair, George Bush und Bill Clinton vollauf und überaus erfolgreich damit befasst, die Prinzipien Entstaatlichung, Deregulierung, Freihandel und Wettbewerb durchzusetzen. Der Klimaschutz geriet darüber ins Hintertreffen und wurde zur rhetorischen Hülse. Fakt ist jedenfalls, dass die globalen Kohlendioxidemissionen von 1992 bis heute (nach einem kurzen Absinken durch den Kollaps der Sowjetökonomie Anfang der Neunziger) nicht, wie auf dem Klimagipfel in Rio de Janeiro vereinbart, gesunken, sondern um 56 Prozent gestiegen sind.

          Bei den Protagonisten des Klimaschutzes blieb angesichts der Verdrängung des Nachhaltigkeitsdenkens durch die Dominanz des Ökonomischen vor allem Bitterkeit zurück. Im Mikrokosmos Deutschland brachte nichts diese Bitterkeit besser zum Ausdruck als der defensive, trotzige Wahlkampfspruch der Grünen zur Bundestagswahl im Dezember 1990: „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter!“ (Gemeint war das Klima). 2006 und 2007 waren wieder solche Jahre, in denen man annehmen durfte, nun gehe es mit dem Klimaschutz aber wirklich voran. Im Oktober 2006 veröffentlichte der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung einen 650 Seiten starken Bericht über die ökonomischen Folgen des Klimawandels, in dem er zeigte, dass vorsorgender Klimaschutz wesentlich preisgünstiger zu haben ist als die Kompensation der möglicherweise gar nicht kontrollierbaren Schäden der Erderwärmung. Stern, ein freundlicher und bescheidener Mann, wurde so für kurze Zeit zum Wanderprediger in Sachen Klimaökonomie und zum Vorzeigestar der Klimagemeinde.

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