04.10.2005 · Absurde Szenerien, fantastische Sprachwelten und hohe Musikalität prägen das Werk des Kärntner Schriftstellers Gert Jonke, dem Jürgen Flimm an diesem Dienstag der Kleist-Preis zuerkannt hat.
Absurde Szenerien, fantastische Sprachwelten und hohe Musikalität prägen das Werk des Schriftstellers Gert Jonke, dem Jürgen Flimm an diesem Dienstag der Kleist-Preis zuerkannt hat. Der Kärntner Dichter, der mit seinem Erstling „Geometrischer Heimatroman“ 1969 bekannt wurde, zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen Österreichs der Gegenwart.
Der 59jährige Autor von Romanen, Lyrik, Drehbüchern und Bühnenstücken überrascht immer wieder mit hoch poetischer sprachlicher Fantasie und skurrilen Einfällen. Zuletzt begeisterte er das Publikum im Wiener Akademietheater mit dem Stück „Die versunkene Kathedrale“, die Christiane Pohle zur Uraufführung einrichtete.
Fauna
Jonkes literarische Welt wird häufig bevölkert von Insekten oder Vögeln. Den Menschen in seinen Bühnenstücken oder Texten gleitet die Herrschaft über die Dinge aus der Hand. Zunehmend sind es die Dinge, die ein Eigenleben entwickeln und jegliche herkömmliche Logik auf den Kopf stellen.
Auf sprachlich raffinierte Weise und gleichzeitig hochmusikalisch findet Jonke so zu einer poetischen Weltbeschreibung, die das Absurde, Unbegreifliche und Unheimliche des Daseins ins Zentrum rückt. In seinem sprachlichen Bilderreichtum und seiner skurrilen Fantasie bleibt Jonke dabei stets hoffnungsvoll und lebensbejahend.
Musik
Musik spielt stets eine große Rolle im Werk des Schriftstellers, der am 8. Februar 1946 in Klagenfurt geboren wurde und neben Germanistik, Geschichte und Philosophie auch Musikwissenschaften in Wien studierte. Seine erste berufliche Station war die Hörspielabteilung des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart. Es folgten Aufenthalte in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Großbritannien. Heute lebt der Schriftsteller in seiner Heimatstadt und Wien.
Nach dem großen Erfolg seines Romandebüts reüssierte Jonke mit weiteren Prosatexten wie den Romanen „Der Ferne Klang“ (1979), „Stoffgewitter“ (1996) oder „Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien“ (2002). Als Theaterautor mit Bühnenstücken wie „Sanftmut oder Der Ohrenmaschinist. Theatersonate“, „Insektarium“ oder „Chorfantasie“ ist Jonke an zahlreichen österreichischen Bühnen präsent. Er wurde unter anderem mit dem Bachmann-Preis, dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur und dem Erich-Fried-Preis ausgezeichnet.