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Veröffentlicht: 16.12.2011, 13:40 Uhr

Klassische Musik im Comic Looney Liszt im Trickfilmland

Die zweite Ungarische Rhapsodie cis-Moll von Franz Liszt gilt als Feuerprobe für Klaviervirtuosen. Auch die Stars der klassischen Cartoonwelt haben sich daran versucht.

von Sinem Derya Kiliç
© Warner Bros. „Rhapsody Rabbit" zeigte 1946 Bugs Bunny als Klaviervirtuosen. Auch der Hase orientierte sich in seiner exaltierten Spielweise am Vorbild Franz Liszt.

Auftritt des Virtuosen. Er erscheint in „gehöriger schwarzer Kleidung“, macht die „drei gehörigen Verbeugungen, zuerst gegen die Hauptloge, dann gegen die andere Seite, und zuletzt gegen die Mitte, nimmt seinen Sitz ein, zieht die weißen Handschuhe aus und gibt dem Orchester das Zeichen“ - alles so, wie Carl Czerny es 1839 in seiner „Klavierschule“ vorgegeben hatte. Dass der Pianist danach einen hustenden Zuschauer erschießen wird, entspricht nicht den Empfehlungen der historischen Quellen. Der Grund für sein rabiates Vorgehen liegt im Charakter: Der Künstler, der hier gerade sich und seinen Auftritt zelebriert, hat zwei lange Ohren, eine Karotte in der Hand und von Liszt angeblich keinen blassen Schimmer, wie er sagt, als mitten im Stück das Telefon klingelt: „Eh . . . What’s up, Doc? Who? Franz Liszt? Never heard of him. Wrong number!“ Es ist Bugs Bunny, der hier die Bühne betreten hat und sich in wenigen Augenblicken Liszts zweiter Ungarischer Rhapsodie widmen wird.

Noch heute arbeiten sich angehende Pianisten an den unzähligen Klavieretüden des Wiener Musikpädagogen und Beethoven-Schülers Czerny ab, der die oben genannten Regeln für den Auftritt formuliert hat. Seine „Vollständige theoretisch-practische Pianoforte-Schule“ gibt nicht nur über Klaviertechnik Auskunft, sondern lehrt auch die Etikette des öffentlichen Konzertierens. Liszt hat von Czerny aufgrund seines offenkundigen Talents unentgeltlich Unterricht erhalten, wobei Geläufigkeit, Fingersatz, Taktfestigkeit und Anschlag im Mittelpunkt standen. Ob hingegen eine vergleichbare Schüler-Lehrer-Beziehung zwischen Bugs Bunny und Micky Maus bestand, hat die biographische Forschung noch nicht eruieren können. Aber zumindest in einem Punkt war Micky der Vorläufer von Bugs: Er war es, der Liszts Rhapsodie 1929 als Erster in die Cartoonwelt eingeführt hat.

In der tiefsten amerikanischen Provinz

Franz Liszt hatte sie als zweite von insgesamt neunzehn Rhapsodien 1847 geschrieben. Vier Jahre später erschien die Klavierfassung, danach folgte eine Orchesterversion, die er mit Hilfe des Komponisten Franz Doppler arrangierte. Gewidmet ist das Stück dem Grafen László Teleki. Im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert galt es aufgrund seines hohen technischen Anspruchs als Prüfstein für angehende Tastenlöwen (eine auf Liszt gemünzte Bezeichnung). Aber Kleinvieh macht auch Liszt, und so hören wir die Rhapsodie zuerst in der Interpretation von Micky Maus.

Franz Liszt © INTERFOTO Vergrößern Der Virtuos: Franz Liszt (1811 bis 1886) nach einer Karikatur von János Jankó aus dem Jahr 1872

Der Titel des entsprechenden Cartoons ist Programm: „The Opry House“. Das Wort „Opry“, Diminutiv von opera, war kurz vor der Veröffentlichung dieses Kurzfilms als Bezeichnung für Aufführungsstätten eingeführt worden, in denen Amateurmusiker aus dem Bereich der Countrymusik auftraten. Bis heute wird in Nashville, Tennessee, die wöchentliche Radioshow „The Grand Ole Opry“ produziert. Aber von professionellem Glamour ist Mickys „Opry House“ weit entfernt: Der Beschilderung zufolge ist es ein „Vaudville“ (ohne „e“), das anscheinend schon bessere Zeiten gesehen hat. Offenbar sind wir in der tiefsten amerikanischen Provinz.

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