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Veröffentlicht: 21.08.2011, 09:11 Uhr

Klassikerpflege Wer kann Thomas Mann am besten?

Lübeck, München und Düsseldorf wetteifern um den Schriftsteller. Jetzt baut nicht nur das Buddenbrookhaus an, sondern alle Gedenk- und Forschungsstätten planen Erweiterungen.

von Tilmann Lahme
© dpa Alles für Thomas Mann: Fassade des Lübecker Buddenbrookhauses in den Ausstellungsräumen von eben diesem.

Die unvermindert anhaltende Begeisterung für die Familie Thomas Manns hat dieser längst das Schicksal anderer Prominenter beschert: Sie wird auf den Boulevard gezerrt, angesichts des verständlichen Mangels an unmittelbarer Tagesaktualität in Form von Büchern. Eines dieser Bücher aus jüngster Zeit schimpft wohlfeil auf die Rabeneltern Katia und Thomas Mann, die ihre Kinder allesamt verhunzt hätten. Ein anderes nimmt sich den im Schatten des Genievaters stehenden Michael vor, der von diesem durch Lieblosigkeit zum trinkenden Schläger erzogen worden sei. Diesen "Roman" begrüßte die "Bild"-Zeitung wiederum mit einem großen Interview, weil sein Autor ein bekannter Schauspieler ist, der einmal gar in einer der Fernsehverfilmungen von "Buddenbrooks" den Hochstapler Bendix Grünlich gespielt hat. Und Geschichten über die Manns, die von Gewalt, Sex, Drogen und Selbstmord handeln, finden auch außerhalb der literarischen Welt ihr Publikum. Tanderadei.

Neuer Trubel um die Manns kommt jetzt aus einer anderen, seriöseren Ecke: aus den Forschungs- und Gedenkstätten zu Thomas Mann und seiner Familie. Wohl auch ein wenig vom enormen öffentlichen Interesse für die Manns beflügelt, wollen die beiden zentralen deutschen Gedenkorte der berühmten Schriftstellerfamilie ihr kulturelles Angebot erheblich erweitern. Das Lübecker Buddenbrookhaus in der Mengstraße 4, ehemals Geschäftssitz und Wohnort der Lübecker Kaufmannsvorfahren der Manns und Vorlage für den größten Familienroman deutscher Sprache, wird durch den am gestrigen Freitag unterzeichneten Kauf des sich anschließenden Nachbarhauses mit der Nummer sechs vergrößert, in Quadratmetern gemessen um etwa das Doppelte. Und in München hat der Stadtrat gerade einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass das Literaturarchiv der Stadtbibliothek Monacensia, deren Archiv die Nachlässe von Klaus, Erika, Michael und teilweise von Elisabeth und Monika Mann bewahrt, bedeutend um- und ausgebaut und um eine Dauerausstellung erweitert werden soll. Von Gesamtkosten in Höhe von acht bis neuneinhalb Millionen Euro ist die Rede - finanziell alles in allem nicht weit entfernt von dem, was in Lübeck geschehen soll.

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Neues auch aus Düsseldorf

Denn dass die 300 000 Euro, die man hier für den Hauskauf investieren muss und die man vollständig von der Bundesregierung erhalten hat, nur der erste und kleinste Schritt sind, macht Hans Wißkirchen, der Leitende Direktor der Lübecker Museen, im Gespräch mit dieser Zeitung klar. Die Förderung des Bundes verdeutlicht nicht nur die nationale und internationale Bedeutung der Sache, sie ist auch ein Signal an die lokalen und regionalen Geldgeber. In Lübeck kämpft man trotz des großen, auch touristischen Erfolgs des städtischen Museumskonzepts, das mit dem Willy-Brandt- und dem Günter-Grass-Haus kultureller Erinnerungsort zweier Literatur- und eines Friedensnobelpreisträgers ist, ständig um Geld, um das aus städtischen Töpfen ebenso wie um das des Landes Schleswig-Holstein.

Auch aus Düsseldorf ist Neues zu hören. Am Ort einer der bedeutendsten Spezialbibliotheken zu Thomas Mann, die auf die Schenkung des Sammlers Hans-Otto Mayer zurückgeht, hat sich 2009 eine eigenständige Thomas-Mann-Gesellschaft gegründet, die dritte im deutschsprachigen Raum neben Lübeck und Zürich. Hier bietet man auch Studierenden und jungen Wissenschaftlern ein Forum und wendet sich in Vorträgen an ein breites Publikum - eine erfreuliche Belebung des Umgangs mit dem Klassiker, etwa unter der Tagungsfrage "War Thomas Mann ein Langweiler?". Gerade ist der erste Band der Schriftenreihe "Düsseldorfer Beiträge zur Thomas-Mann-Forschung" erschienen.

Was die Umbaupläne für das Buddenbrookhaus und die Monacensia konkret bedeuten, ist derzeit nicht absehbar. Während man in München noch nicht alle Gremien überstanden hat und sich schon daher bedeckt hält, soll in Lübeck eine interdisziplinäre Fachtagung im Herbst des kommenden Jahres Chancen und Möglichkeiten der Erweiterung diskutieren und damit Anregungen für die Umbauten, die wohl ab 2015 erfolgen werden, liefern.

Nicht ohne Kulturwisenschaften

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