Was lässt sich in einem Text von, sagen wir, einhundertvierzig Anschlägen, die Leerzeichen dabei mitgerechnet, unterbringen? Äußerst wenig. Das waren jetzt zwar erst einhundertneununddreißig Anschläge, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass der eine Anschlag, auf den aus formulierungstechnischen Gründen verzichtet wurde, inhaltlich noch viel gebracht hätte.
Nun enthalten Fragen von Haus aus selten Informationen; aber selbst wenn man auf einen Aussagesatz umsteigt, wird die Sache nicht besser. Dieser gerade beendete Satz enthält einhundertvierzig Anschläge, aber viel mehr steht auch nicht drin. Allerdings handelt es sich dabei um einen Satz, dessen eingeschränkter Aussagegehalt schon durch das „selten“ und „nicht“ kenntlich gemacht wird. Die Zahl in Ziffern anzugeben, bringt ebenfalls nicht viel: Selbst wer die Zahlen nicht ausschreibt und die Leerzeichen nicht mitrechnet, kann in einem Text von 140 Anschlägen nicht viel unterbringen - macht 140 Anschläge, in denen wieder fast nichts drinsteht. Vielleicht sollte man das „nicht“ einfach wegnehmen und den Satz ein wenig umformulieren: In einem Text von einhundertvierzig Anschlägen, die Leerzeichen dabei mitgezählt, kann man viel unterbringen; man muss sich aber Mühe geben - einhundertvierzig gehaltvolle Anschläge!
Auf Obst geschossen
Auf eine Mühe, verstanden als Anstrengung, die sich mit der reinen Information nicht zufriedengibt, sondern schon ins Literarische hineinlappt, zählt man offenbar bei Twitter, dem Blogdienst für alle, der seine Teilnehmer darum bittet, Werke der Weltliteratur mit einhundertvierzig Anschlägen zusammenzufassen. Beispielhaft steht dort schon eine summary von Becketts „Warten auf Godot“: „Vladimir and Estragon stand next to tree and wait for Godot. Their status is not updated.“ Dass es sich hierbei nur um neunundachtzig Zeichen handelt, muss uns nicht beeindrucken - das Englische kommt ja mit wenig Platz aus. Und das ist auch noch gar nichts gegen die achtundzwanzig Anschläge (mit Leerzeichen!), die Ernst Bloch für den „Wilhelm Tell“ brauchte: „Es wird auf Obst geschossen.“
Nicht sehr viel ausführlicher könnte man die „Buddenbrooks“ zusammenfassen: Es wird viel gegessen, getrunken und gestorben. Legte man den Breloer-Film zugrunde, der ja vor allem an Ballszenen interessiert ist, dann ginge es noch viel kürzer: Man tanzt. (Zehn Anschläge, mit Leerzeichen!) Am knappsten wäre wohl „Moby Dick“: Walfang.
Es geht noch kürzer!
Alex St (Neu89)
- 13.05.2009, 16:58 Uhr
Damit, Herr Reents ...
Peter Zentner (Caterwaul)
- 13.05.2009, 17:38 Uhr