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Veröffentlicht: 29.03.2012, 12:45 Uhr

Klage gegen Amazon Hehlerei von geistigem Eigentum

Handschriften als Print-on-demand: Faksimile-Ausgaben von Kafka finden Schnäppchenjäger im Internet weit unter dem Originalpreis. Der Stroemfeld Verlag verklagt jetzt Amazon.

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© dpaweb Franz Kafka um 1920 in der Altstadt von Prag

Als der Stroemfeld Verlag 2003 die Faksimile-Ausgabe von Kafkas „Verwandlung“ herausbrachte, gab es keinen Druckkostenzuschuss; um den Satz kümmerte sich Herausgeber Roland Reuß selbst, und die Papierkosten ließen sich nur mit Spenden finanzieren. Der stolze Preis von 128 Euro ist für diese Editionsleistung, Teil der renommierten Historisch-Kritischen Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte des Autors, in Wahrheit nicht viel.

Schnäppchenjäger finden die Ausgabe im Internet dagegen schon für 15,88 Euro, angeboten als Print-on-demand, verlegt von „Nabu Press, United States, 2011“. Die Suche nach dem ominösen Verlag bleibt ergebnislos - keine Homepage, keine Kontaktadresse, nur ein Postfach in Charleston, South Carolina. Unter „Who and where are Nabu Press“ steht immerhin, dass der kryptische Verlag derzeit gut sechshunderttausend Bücher über Amazon anbietet, alles Reprints angeblich lizenzfreier Titel. Nach europäischem Recht handelt es sich bei der wissenschaftlich aufbereiteten Kafka-Ausgabe indes keineswegs um einen rechtefreien Klassiker - auch wenn Nabu Press in seiner englischen Produktbeschreibung dreist behauptet, es sei schlicht eine Reproduktion eines vor 1923 veröffentlichten, also urheberrechtsfreien Werkes (mit CD-ROM).

Datendiebe bedienten sich zuvor

Gestern hat der Stroemfeld-Verleger KD Wolff zusammen mit Roland Reuß und Peter Staengle, den Herausgebern der Ausgabe, Strafanzeige gegen Amazon erstattet - wegen Hehlerei von Spiritualeigentum. Gleich zwei Bände ihrer Reihe sind als Raubdrucke über Amazon und Abebooks verfügbar: „Die Verwandlung“, Oxforder Quartheft 17, und „Ein Landarzt“, 2006 erschienen als Oxforder Oktavhefte 1 & 2 mit Franz-Kafka-Heft 4. Regulär kosten beide jeweils 128 Euro; für den billigen Nachdruck rufen bei Amazon diverse Marketplace-Anbieter, die meisten aus den Vereinigten Staaten, darunter aber in beiden Fällen auch eine „Bücheroase München“, Preise zwischen 9,64 und 22,20 Euro auf.

Möglicherweise sind die Raubdrucke eine Folge der Google Book Search. Zwar hat Google im Zuge des Book Settlements 2009 zugesagt, die bereits gescannten Kopien von in Europa urheberrechtlich geschützten und lieferbaren Titeln wieder aus dem Netz zu nehmen, doch zuvor haben sich Datendiebe reich bedienen können.

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So ist auch die Kafka-Räuberei leider kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für den Umgang mit geistiger Leistung im Netz. Die schiere Masse der selbstverständlich gewordenen Verstöße gegen das Urheberrecht, die jeden Tag weiter zunimmt, macht das Unterfangen, gegen Verantwortliche effektiv vorzugehen, zu einer Sisyphosaufgabe, vor der der einzelne Verlag nur kapitulieren kann. Anstatt Anwälte auf der ganzen Welt zu engagieren, könnte ein Anfang die Einrichtung einer Website sein, auf der geistiger Diebstahl unkompliziert gemeldet werden kann - vielleicht eine Aufgabe für den Börsenverein des Buchhandels?

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