23.03.2011 · Liz Taylor war ein Star der Superlative. Sie galt als die schönste Frau und war die berühmteste Schauspielerin der Welt. Sie führte ein öffentliches Leben zwischen Glamour, Sensation, Skandal und Absturz. Mit 79 Jahren ist sie nun in Los Angeles gestorben.
Von Verena LuekenEs gab Zeiten, da galt sie als die schönste Frau der Welt; andere, in denen die Gazetten sie als monströse Alte ausstellten. Sie überzeugte als naive Kindfrau, temperamentvolle Südstaaten-Schönheit oder als hysterische Schlampe, hatte Kunstverstand und konnte unglaublich vulgär sein. Sie war ein Star wie keine andere - denn sie verkörperte keinen bestimmten Typ, weder im Leben noch in ihren Filmen, vielmehr immer nur den Luxus, den dieser Status garantiert: sich die drastischsten Widersprüche leisten zu können.
Elizabeth „Liz“ Taylor lebte diese Widersprüche bis zur physischen Zerstörung der ikonenhaften Weiblichkeit, der sie ihren Ruhm verdankte, ohne dabei jemals ihren Glamour zu verlieren. Die gnadenlose Indiskretion, der sie ausgeliefert war und in der sie sich oft auch lustvoll inszenierte, gab selbst ihren miesesten Zeiten noch den Glanz Hollywoods. Anders als Marilyn Monroe war sie weder Opfer des Starsystems noch allein sein perfektes Produkt - sondern die handfeste Verkörperung all seiner Ambivalenzen.
So wurde sie zum Star der Superlative: Sie war nicht nur die Schönste, sondern auch die Teuerste (als „Cleopatra“ in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1963, der ihr mehr als sieben Millionen Dollar einbrachte), die am häufigsten Verheiratete (siebenmal, davon zweimal mit Richard Burton) und ebensooft Geschiedene - eine Frau des Überflusses, die leidenschaftlich Juwelen sammelte und moderne Kunst; die sich bedingungslos in Freßsucht und Suff selbst zerstörte und dann beidem radikal abschwor; die sich die Männer nahm, die sie wollte, die pathetisch nach dem Tod des einen die Witwe spielte, mit dem anderen jahrelang eine hysterische Hassliebe zelebrierte, einem weiteren die ergebene Gattin war und ihren fünf Kindern eine liebevolle Mutter.
In ihren Filmen erwachsen geworden
Genüßlich notierte die Presse jeden Skandal, jede Affäre, die häufigen Krankheiten, Entziehungskuren, Gewichtszunahmen und Diäterfolge. Elizabeth Taylor lebte unter den Augen der Öffentlichkeit, von früher Kindheit an.
In London 1932 geboren, tanzte sie schon als Siebenjährige vor der englischen Königsfamilie und wurde, nach der Übersiedlung ihrer Eltern nach Kalifornien, in Hollywood ein Kinderstar. Im Alter von zehn Jahren spielte sie in „Lassie Come Home“, erhielt anschließend einen Sieben-Jahres-Vertrag bei der MGM und wuchs dort unter „Big Daddy“ Louis B. Mayer auf. Sie schaffte es, auch in ihren Filmen erwachsen zu werden. Aus dem tierliebenden „poor little rich girl“ wurde die naive Schönheit, die glühend Leidenschaftliche, die giftig zänkische Ehefrau.
Ihre künstlerisch erfolgreichste Zeit war das Jahrzehnt zwischen „Giants“ (1956, an der Seite von James Dean) und dem ehelichen Höllenspektakel, das sie 1966 mit Richard Burton in „Who's Afraid of Virginia Woolf“ veranstaltete, das ihr - nach „Butterfield 8“ aus dem Jahr 1960 - den zweiten Oscar einbrachte.
Anders als die meisten Stars ihrer Zeit hatte Elizabeth Taylor keinen festen Regisseur, der für sich reklamieren könnte, sie „gemacht“ zu haben. Bei fast jedem ihrer mehr als fünfzig Filme arbeitete sie mit einem anderen, darunter den erfolgreichsten: mit Richard Thorpe und Mervyn LeRoy, King Vidor, Joseph Mankiewicz, Mike Nichols. Mit George Stevens hat sie immerhin drei Filme gedreht; zwei ihrer schönsten, den 1951 entstandenen „A Place in the Sun“ und „Giants“, 1970 indes auch einen ihrer miserabelsten, „The Only Game in Town“.
Sie trat nur in wenigen Meisterwerken auf
Wie weit ihre darstellerischen Fähigkeiten trugen, lässt sich aus den Filmen kaum ersehen. Nur selten haben die Regisseure ihre schauspielerischen Möglichkeiten herausgefordert, sich vielmehr meistens damit begnügt, ihr Starimage auszustellen und sie als Attraktion an den Kinokassen zu vermarkten. Elizabeth Taylor trat in nur wenigen Meisterwerken auf, in einigen sehr schlechten Filmen und einer Unzahl bedeutungsloser Durchschnittsproduktionen. Faszinierend als Schauspielerin war sie, wenn sie starke, zänkische Frauen spielte - in den Tennessee-Williams-Verfilmungen „Cat on a Hot Tin Roof“ (1958) oder „Suddenly Last Summer“ (1959) -, Frauen, die boshaft mit scharfzüngigem Sarkasmus versuchen, sich in einer ignoranten Männerwelt zu behaupten.
Diese Rollen konterkarierten das Bild der marmornen Schönheit aus den frühen Jahren ihrer Karriere, gaben ihrem Sex-Appeal eine bedrohlich unberechenbare Dimension und faszinierten doch Publikum und Kritik gleichermaßen. Die Filmindustrie wusste dieses Potential nicht zu nutzen; in den siebziger Jahren wurde Elizabeth Taylor nahezu ausschließlich fehlbesetzt.
Aus Mangel an passenden Filmangeboten entschloss sie sich daher im Jahr 1979, erstmals Theater zu spielen. Ihr Debüt in einer Broadway-Inszenierung von Lillian Hellmanns „Little Foxes“ wurde ein überraschender Erfolg, der belegt, dass die meisten ihrer Filme ihre schauspielerischen Fähigkeiten brachliegen ließen. Auch die Fernsehproduktionen, in denen sie in den achtziger Jahren auftrat, waren mehr an dem Star als an der Schauspielerin interessiert.
Ihre Stimme wurde gehört
Wie Elizabeth Taylor damit fertig wurde, dass sie eine gleichsam öffentliche Frau war, bleibt unklar. Nur einmal hat sie ausdrücklich gegen die Vermarktung ihres Intimlebens protestiert, ohne verhindern zu können, daß das sensationslüsterne Buch „Liz Taylor - Ein Leben für die Liebe“ dann doch erschien. In der Regel gelang es ihr, das gierige Interesse der Öffentlichkeit an ihrem Leben aktiv zu nutzen, nicht nur für ihre Karriere.
Schonungslos offen berichtete sie in einem Buch über ihre verschiedenen Sucht- und Therapieerfahrungen, um andere Süchtige zum Entzug zu ermuntern.
Sie wusste, dass ihre Stimme von den Massen gehört wurde. Ihr Publizität hat sie in den achtziger und neunziger Jahren etwa als Vorsitzende der „American Foundation for Aids Research“ dazu benutzt, Forschungsgelder zu sammeln und durch sachliche Aufklärung die blinde Panik zu bannen, in die 1985 der Aids-Tod von Rock Hudson Hollywood und Amerika gestürzt hatte.
Im Alter von 79 Jahren ist Liz Taylor nun in einem Hospital von Los Angeles gestorben.
Schönster Kinderstar - vielleicht
Renee Claude (recla)
- 23.03.2011, 18:57 Uhr
Ein Leben vor aller Augen......
muhkuh rave (muhkuhrave)
- 23.03.2011, 21:53 Uhr
Schöner Artikel, aber...
Tonio Gas (tgas)
- 25.03.2011, 09:31 Uhr
Die Katze auf dem Blechdach - Analyse Falsch
Vincent Vega (DeVeritate)
- 25.03.2011, 11:42 Uhr