Er schrieb, wofür andere dann berühmter wurden als er, Drehbücher nämlich für Filme wie „Amarcord“ oder „Blow Up“, „Lucky Luciano“ oder „Nostalghia“. Als das europäische Kino in seiner Blüte stand, als Federico Fellini, Michelangelo Antonioni, Theo Angelopoulos, Francesco Rosi und die Brüder Taviani ihre besten Filme drehten, war Tonino Guerra dabei.
Er erfand ihre Geschichten (fast alle für Antonionis Filme, darunter „L’Avventura“, „La Notte“, „L’Eclise“), er sorgte für die Poesie, er wurde ihr Freund. Vor allem mit Fellini, der wie Guerra aus der Romagna stammte und mit dem er in „Amarcord“ aus der Erinnerung an ihre Kindheit in dieser Landschaft ein surrealistisches Heimattableau entwarf, verband ihn eine lange Freundschaft.
Nur die Poesie besiegt den Tod
Wenn man sich die Liste wichtiger Filme zumal aus der Blütezeit des italienischen Kinos zwischen den späten sechziger und neunziger Jahren anschaut, taucht stets Guerras Name auf. Die Europäische Filmakademie hat ihm deshalb im Jahr 2002 den Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk verliehen. Einige Oscar-Nominierungen und eine Goldene Palme für das Drehbuch für die „Reise nach Kythera“ von Angelopoulos hatte er da schon.
Mehr als hundert Titel umfasst seine Filmographie, dazu kommen Lyrik- und Erzählbände. Guerra begann zu dichten, als er im nationalsozialistischen Arbeitslager in Troisdorf saß: Den Tod könne man nur mit der Poesie besiegen, hat er einmal gesagt. Und auch, dass die Poesie unentbehrlich sei, weil wir immer warten - auf eine Frau, auf den Regen, und überall auf den Tod. Am 21. März ist Tonino Guerra, nur wenige Tage nach seinem zweiundneunzigsten Geburtstag, in seinem romagnolischen Geburtsort Santarcangelo di Romagna bei Rimini gestorben.