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Zum Tod von Roger Moore : Hart im Nehmen

Roger Moore am Set von „Leben und sterben lassen“ Bild: dpa

Er selbst hielt sich zwar für gutaussehend, aber für einen schlechten Schauspieler. Dafür legte Roger Moore eine steile Karriere hin und gab sieben Mal James Bond. Jetzt ist der Brite gestorben.

          Eigentlich war Roger Moore der Letzte, den man als Geheimagent im Dienste ihrer Majestät hätte besetzen sollen. Er hatte Angst vor Schusswaffen und derartige Panik vor den Stunt-Szenen, dass er manchmal Beruhigungsmittel nehmen musste. Trotzdem übernahm er die Rolle 1973 von Sean Connery – und wurde der dienstälteste 007 in der Geschichte der Filmreihe. Zwölf Jahre lang spielte er Bond, so oft und lang wie kein anderer. Es begann mit „Leben und sterben lassen“. Als er nach „Im Angesicht des Todes“ ausstieg, war er bereits 58 Jahre alt.

          Doch Roger Moore war schon vorher ein Weltstar. Nach seiner Entlassung aus der Armee arbeitete er als Dressman und Verkäufer, übernahm auch schon kleine Rollen bei Film und Fernsehen.  Bekannt wurde er durch die Titelrolle in der Mittelalterserie „Ivanhoe“ und als später Hauptdarsteller in der Westernserie „Maverick“. Richtige Berühmtheit erlangte er in den Sechzigern als smarter Draufgänger Simon Templar in der Serie „The Saint“. Hundertzwanzig Folgen lang stellte er in der Serie Schurken nach. Dabei zweifelte er selbst zeitlebens an seinen Fähigkeiten als Schauspieler. Vom Komödienschreiber Sir Noel Coward ist überliefert, er habe Moore gesagt, dass er so unbegabt sei, dass er jede Rolle nehmen solle, derer er habhaft werden könne.

          Roger Moore in „Leben und sterben lassen“ aus dem Jahr 1973 Bilderstrecke
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          Das tat er mit dem Engagement als 007. Er gab der Rolle eine etwas lässigere Ausstrahlung, sein James Bond war nicht so rauh und männlich, dafür eleganter. Am Set traf Moore eine Klassenkameradin aus seiner Schauspielschule wieder: Lois Maxwell, die als „Miss Moneypenny“ einen Dauerflirt mit dem Geheimagenten hatte. Lois Maxwell wurde ebenso wie Roger Moore ersetzt, als die kurze Ära von Timothy Dalton als James Bond begann. Im Gegensatz zu ihr soll Moore darüber erleichtert gewesen sein: Es machte ihm keinen Spaß mehr, als Sexsymbol dargestellt zu werden.

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          Die Siebziger und Achtziger waren Moores große Zeit: Neben seiner Rolle als James Bond spielte er in Actionfilmen wie „Sprengkommando Atlantik“ und der Komödie „Auf dem Highway ist die Hölle los“. In den Psychothrillern „Ein Mann jagt sich selbst“ und „Das nackte Gesicht“ zeigte er eine ernstere Seite. 1983 übernahm er die Rolle des Inspektor Clouseau in „Der Fluch des rosaroten Panthers“.

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          Nach der Bond-Ära blieben große Erfolge aus. Die Komödien „Bed & Breakfast“und „Bullseye!“ (1990) kamen gar nicht erst in deutsche Kinos. Auch die Verfilmung der unveröffentlichten, von Rhydwen Williams geschriebenen Biographie seines verstorbenen Schauspielerkollegen Richard Burton machte kaum Furore. Das in St. Moritz gedrehte Ski-Spektakel "Feuer, Eis & Dynamit" von Willy Bogner, an dem neben dem skibegeisterten Moore auch Popstar Jennifer Rush und der deutsche Schauspieler Siegfried Rauch mitwirkten, fand 1990 nur begrenzten Zuspruch. Ein Jahr zuvor hatte er sich einem anderen Genre zugewandt. In Andrew Lloyd Webbers Musical „Aspects of Love“ sang er die Hauptrolle des Jetsetters George Dillingham. Im Kino war Moore 1996 in Jean-Claude Van Dammes Actionfilm „The Quest" zu sehen, ein Jahr später in der Komödie „Spice World“. Danach wurde es um Moore als Schauspieler ruhig, dafür setzte er sich zunehmend für humanitäre Zwecke ein. 1991 wurde er Sonderbotschafter für Unicef.

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          2002 spielte Roger Moore Theater: Am Londoner West End war er in „The Play What I Wrote“ unter der Regie von Kenneth Branagh zu sehen. 2003 sollte das Stück am Broadway weitergehen, doch während der zweiten Aufführung erlitt Moore eine Herzattacke. Aber Moore hatte nicht umsonst lange Jahre Superhelden und Draufgänger gespielt: Er spielte das Stück zu Ende, kam danach ins Krankenhaus und bekam einen Herzschrittmacher eingesetzt. Im gleichen Jahr erhob ihn Königin Elizabeth II. in den Adelsstand.

          Dass Roger Moore seine größte Hollywood-Auszeichnung nicht für einen bestimmten Film, sondern für seine Beliebtheit beim Publikum erhielt, dürfte ihn in seiner Auffassung über seine Talente bestätigt haben: 1980 bekam er den Golden Globe als „World Film Favourite“, als beliebtester Schauspieler des Jahres. Einmal nahm er sogar einen Oscar mit nach Hause – aber das war Zufall: 1973 lehnte Marlon Brando seinen Oscar für „Der Pate“ aus Protest gegen die Diskriminierung der Indianer ab. Moore hatte ihm den Oscar überreichen sollen und nahm die Statue einfach mit. Er durfte ihn jedoch nicht behalten.

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          Vier Mal wagte sich der Schauspieler vor den Traualtar. Mit seiner dritten Frau Luisa Mattioli bekam er drei Kinder: Geoffrey wurde Gastronom, Christian Filmproduzent und Deborah trat als Schauspielerin in die Fußstapfen ihres Vaters. 2002 heiratete Roger Moore die dänische Millionärin Kristina Tholstrup. Mit ihr lebte er in Monaco und in der Schweiz, wo er am Dienstag nach einem kurzen Kampf gegen eine Krebserkrankung im Alter von 89 Jahren verstarb.

          Quelle: FAZ.NET

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