Im Jahr 1992 trat Peter Falk in der Sitcom „The Larry Sanders Show“ auf. Er spielte dort sich selbst, den Schauspieler Peter Falk, der unverbrüchlich mit der Figur des italoamerikanischen Kriminalbeamten Lieutenant Columbo verwachsen ist. So eng ist diese Verbindung, dass Fragen dazu sich beinahe zu erübrigen scheinen – der Gag dieser Szene ist denn auch einer, der von der Rolle ablenkt und der für einen Moment den „richtigen“ Peter Falk erkennen lassen soll, einen feixenden Kumpeltyp mit männerbündlerischem Pathos.
Technisch gesprochen handelte es sich bei diesem Auftritt um ein Cameo, also um eine Rolle, aber wer hätte in diesen Jahren jemals sagen können, wo für Peter Falk das private Leben begann und er von seinem Image absehen konnte? Er hat diesen Inspektor Columbo, dessen Vorname niemals genannt wurde, über dreißig Jahre lang gespielt, in knapp siebzig abendfüllenden Folgen, in deren Verlauf sich das Image dieser Figur zunehmend verfestigte, ohne jemals wirklich in ironisches Selbstzitat umzuschlagen. Das allein ist eine bemerkenswerte Leistung für einen Schauspieler, der noch dazu durch ein körperliches Handicap charakterisiert war: Peter Falk verlor schon im Alter von drei Jahren ein Auge aufgrund einer Krebserkrankung. Dieser Defekt wurde Teil des „Pakets“ der Figur Columbo, der die Täter ja immer wieder in der falschen Sicherheit des Eindrucks eines leicht desorientierten, zerstreuten Ermittlers wiegen konnte, eines Mannes, dem gegenüber die Naiven sich für undurchschaubar hielten.
Im Pantheon des amerikanischen Kinos
In seiner ersten wichtigeren Rolle stand er 1960 noch auf der anderen Seite des Gesetzes, in „Murder, Inc.“ spielte er den brutalen Killer Reles. Schon damals war er aber eindeutig dem Fernsehen zuzuordnen, die meisten seiner frühen Auftritte gehörten in diesen Bereich, und 1968 war es schließlich so weit: In „Prescription: Murder“ war er zum ersten Mal Columbo, erst 2003 sollte er seinen Abschied von dieser Figur nehmen.
Seine größte Filmrolle, die er zwischendurch hatte, bestätigte in gewissem Sinne viel von der italoamerikanischen Mythologie, die den Lieutenant Columbo umgab: In John Cassavetes’ „A Woman under the Influence“ spielte Falk den Nick Longhetti, Ehemann der von Gena Rowlands verkörperten Mabel, der mit deren psychischen Problemen zurechtkommen muss und sie durch eigene Unberechenbarkeit und Hilflosigkeit eher noch verstärkt. Für diese Darstellung allein gehört Peter Falk in das Pantheon des amerikanischen Kinos. Mit Cassavates, zu dessen engstem Kreis er lange zählte, arbeitete er bei sieben Filmen zusammen, darunter „Husbands“, in dem er neben Ben Gazarra und Cassavetes selbst einen der drei „Ehemänner“ spielte, die fast schon verzweifelt nach einer Unbeschwertheit suchen, die längst unerreichbar ist.
Entgegen der scheinbar genuinen Milieudarstellung, auf die sich auch viele Momente der Figur Columbo bezogen, hatte er selbst seine Wurzeln allerdings nicht in Italien, sondern in Osteuropa, woher seine Eltern, ein russischer Jude und eine polnische Jüdin, stammten. Er arbeitete eine Weile in der Verwaltung des Staates Connecticut, wandte sich aber dann der Schauspielerei in seiner Geburtsstadt New York zu. Der Kritiker der „New York Times“, Bosley Crowther, beschrieb damals schon jene schwer übersetzbare „weary manner“, die man am besten vielleicht mit „vom Leben mitgenommen“ umschreiben könnte und die in den Cassavetes-Filmen manifest ersichtlich war, während sie in der Figur des Lieutenant Columbo eher latent blieb.
Im Jahr 2007 präsentierte Peter Falk seine Autobiographie „Just One More Thing“. Seine späten Jahre waren von der Krankheit Alzheimer überschattet. Am vergangenen Donnerstag ist er im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills gestorben.
Lieber ein zerknitterter Trenchcoat ...
Gerhard Rinker (GerdR)
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Der Himmel über Berlin
Tatiana Schmidt (tatiane)
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