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Zum Tod von Karlheinz Böhm : Wie aus dem Filmstar ein Mensch für Menschen wurde

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Karlheinz Böhm, hier 2008 in Alem Ketema (Äthiopien), ist verstorben. Bild: dpa

Die Rolle des Kaisers Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen der fünfziger Jahre machte ihn berühmt. Mit gut fünfzig Jahren verließ er die Bühnen der Kunst, um sich in Äthiopien seinem Hilfswerk zuzuwenden. Mit 86 Jahren ist Karlheinz Böhm nun gestorben.

          Der Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, Karlheinz Böhm, ist tot. Er starb am Donnerstagabend im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Grödig bei Salzburg.

          Geboren am 16. März 1928 in Darmstadt als einziges Kind des Dirigenten Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard, wuchs Karlheinz Böhm nach eigenem Bekunden „ohne Heimat“ und Geborgenheit auf, da sein Vater oft den jeweiligen Orchestern hinterherzog. Stationen waren etwa Hamburg, Dresden - wo der Vater zeitweise Leiter der Sächsischen Staatsoper war - und Salzburg.

          Früh im Klavierspiel ausgebildet wurde, besuchte Karlheinz Böhm in Dresden die Volksschule und die ersten drei Klassen des Gymnasiums. Von 1940 an folgten, wie er in einem Intereview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte, „schreckliche Internatsjahre“, zunächst in Kufstein, ab 1942 dann im Lyceum Alpinum im schweizerischen Zuoz, wohin er mit gefälschten ärztlichen Attesten verbracht worden war.

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          1946 zog er mit den Eltern nach Graz und machte dort am Kepler-Gymnasium Abitur. Anschließend studierte er ein Semester lang Philosophie, Anglistik und Germanistik an der Grazer Universität, danach ein Semester Kunstgeschichte an der Universität Rom. 1948 wurde er in Wien Regie-Assistent bei Karl Hartl. Schauspielunterricht erhielt er ab 1949 an der Schauspielschule des Burgtheaters; hier waren Albin Skoda und Helmuth Krauss seine Ausbilder.

          Der richtige Kaiser für die schöne Sissi

          1949 erhielt Böhm sein erstes Engagement am Burgtheater und debütierte neben O. W. Fischer in dem Stück „Der junge Herr von vierzig“. Von 1949 bis 1953 war er am Theater in der Josefstadt Wien verpflichtet. Bühnengastspiele gab er während der sechziger Jahre in München (Kammerspiele und Kleine Komödie), Zürich, Frankfurt am Main (Theater am Turm), bei den Bad Hersfelder Festspielen, an der Freien Volksbühne Berlin sowie auf zahlreichen Tourneen. Von 1975 bis 1979 war er Ensemblemitglied des Düsseldorfer Schauspielhauses.

          In den fünfziger Jahren wurde Böhm, der 1948 unter der Regie von Karl Hartl in „Der Engel mit der Posaune“ erstmals vor der Kamera gestanden hatte, vor allem durch kommerzielle Unterhaltungsfilme bekannt. Zu großer Popularität gelangte er mit Ernst Marischkas „Sissi“-Trilogie (1955 bis 1957), in der er als Partner von Romy Schneider dem österreichischen Kaiser Franz Joseph einen ehrlichen und aufrichtigen Charakter verlieh.

          Das Image des jungen integren Helden blieb lange an Böhm haften. Er suchte ihm zu entkommen und drehte mehrere Filme im Ausland. Seine differenzierte Darstellerkunst stellte er nach Kritikermeinung am deutlichsten in Michael Powells Psychothriller „Peeping Tom“ (1960) unter Beweis, wo er den psychopathischen Serienmörder Mark Lewis spielte. So aber wollte ihn das Kinopublikum nicht sehen und boykottierte den Film, der von der Kritik zunächst verrissen, 1979 schließlich als wiederentdecktes Meisterwerk gefeiert und von der New York Times zu den „Top Ten“ der Filmklassiker gezählt wurde.

          Die Wiederentdeckung durch Rainer Werner Fassbinder

          Dieser Film markierte einen Bruch in Böhms Kinokarriere. Nach einem mehrjährigen Gastspiel in Hollywood kehrte er wieder ans Theater zurück und führte auch Regie (etwa 1964 „bei Elektra“ an der Staatsoper Stuttgart), bis Rainer Werner Fassbinder ihn Mitte der siebziger Jahre zum Film zurückholte. Hier glänzte er 1974 in dem Fernseh-Psychothriller „Martha“, der sich kritisch mit der Institution Ehe auseinandersetzte, bevor er mit Fassbinders „Faustrecht der Freiheit“ (1974) und „Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“ (1975) schließlich seine Kinolaufbahn beendete. Abgesehen von Susanne Blänkners Episodenfilm „Inflation im Paradies“ (1983) trat er danach nur noch im Fernsehen und im Theater auf. 1983 stand er in Hofmannsthals „Der Schwierige“ zum letzten Mal auf der Bühne.

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