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Zum Tod von Burt Reynolds : Der ewige Sonnyboy

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Ein Bandit am Steuer: Burt Reynolds 1977 mit Sally Field in „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ Bild: Mary Evans Picture Library

Viele Rollen hat er ausgeschlagen. Er wollte nicht James Bond sein und auch nicht Han Solo. Manche Entscheidung hat er später bereut, dafür blieb er stets er selbst. Nun ist der Schauspieler Burt Reynolds im Alter von 82 Jahren gestorben.

          Burt Reynolds ist tot. Im Alter von 82 Jahren ist der Schauspieler gestorben, der wie kaum ein Zweiter den gut gelaunten amerikanischen Macho der siebziger und achtziger Jahre verkörperte. Reynolds hatte seit längerem an Herzproblemen gelitten, 2010 hatte er sich einem fünffachen Bypass unterziehen müssen. Er erlag einem Herzstillstand.

          Zu den Filmen, die das Image von Burt Reynolds prägten, zählte die romantische Komödie „The Man Who Loved Women“. Sie handelte von einem erfolgreichen Bildhauer, der seine Midlife-Crisis mit einer Art Lebensbeichte über seine zahlreichen Beziehungen bei einer attraktiven Therapeutin (Julie Andrews) zu meistern hofft. In Erinnerung bleibt aber auch seine Rolle als charmanter Sheriff, der in der Musical-Komödie „The Best Little Whorehouse in Texas“ eine Liebesaffäre mit der Madame (Dolly Parton) eines illegalen Bordells hat. Reynolds war außerdem der Leading Man in heiteren Actionfilmen wie „Smokey and the Bandit“ von 1977 und „Cannonball Run“ von 1981.

          Dem Image des Sonnyboys, das seiner Persönlichkeit in vielerlei Hinsicht entsprach, sollte Reynolds zeitlebens verhaftet bleiben, auch wenn er seine Filmkarriere mit John Boormans bahnbrechendem Wildnis-Thriller „Deliverance“ begonnen hatte und 1998 späten Ruhm mit einer Oscarnominierung für seine Rolle als Porno-Produzent Jack Horner in „Boogie Nights“ erfuhr (der Preis ging indes an Robin Williams für „Good Will Hunting“).

          Reynolds war sich selten für einen Spaß zu schade. Zu seinen berüchtigten Auftritten zählt eine Großaufnahme im Centerfold der Zeitschrift „Cosmopolitan“ 1972, die Reynolds nackt, mit Zigarette im Mundwinkel auf ein Bärenfell drapiert zeigte – heute in der amerikanischen Presselandschaft undenkbar. Aber das Foto machte den damals Sechsunddreißigjährigen zum beispiellosen Frauenschwarm, inspirierte die Publikation von „Playgirl“ und befeuerte eine Filmkarriere, die ihn zum bestbezahlten Hollywoodstar der späten siebziger und frühen achtziger Jahre machte. Reynolds setzte noch eins drauf, als er später mit nacktem Po unterm Footballhemd posierte – ein Verweis auf seinen Film „The Longest Yard“, in dem er 1974 seine einst avisierte Football-Karriere in einem Kino-Knastfilm neu aufleben ließ.

          Burt Reynold, hier im März 2018 in Los Angeles, starb im Alter von 82 Jahren in Florida. Bilderstrecke

          Burton Leon Reynolds Jr. wurde am 11. Februar 1936 in Michigan als Sohn eines Armeesoldaten und einer Hausfrau geboren, die bereits eine Tochter namens Nancy hatten. Der Vater wurde nach dem Armeedienst Polizeichef einer Kleinstadt in Florida, und Burt, damals „Buddy“ genannt, erhielt nach der Highschool ein Football-Stipendium für die Florida State University.

          Er hätte James Bond, Han Solo und John McClane sein können

          Eine Knieverletzung und ein Autounfall machten dem Football-Traum des 21-jährigen Reynolds 1957 ein Ende, stattdessen versuchte er sich als Schauspieler. Er stand neben Charlton Heston auf der Bühne und hatte kleinere Rollen in Fernsehserien wie „Flipper“ und „Gunsmoke“. Ein Angebot des Produzenten Albert Broccoli, James Bond zu verkörpern, schlug Reynolds mit der Begründung aus, ein Amerikaner könne diese Figur unmöglich spielen, und auch als George Lucas eine Besetzung für die Figur des Han Solo in „Star Wars“ suchte und Reynolds ansprach, lehnte dieser ab. Ebenso wenig Lust hatte Reynolds auf die Verkörperung des Actionhelden John McClane in „Stirb Langsam“ oder auf die Hauptrolle in Milos Formans Verfilmung von „Einer flog übers Kuckucksnest“.

          Später bekannte er, er habe viele dieser Entscheidungen bereut, ganz besonders, die männliche Hauptrolle in „Zeit der Zärtlichkeit“ Jack Nicholson überlassen zu haben, der dafür 1984 einen Nebendarsteller-Oscar erhalten sollte. In seiner Autobiographie „But Enough About Me” schrieb er 2015, er sei als junger Mann weniger an Herausforderungen interessiert gewesen als daran, Spaß zu haben. Erst später hätten ihn die ernsten Rollen gereizt, „aber da wollte mir niemand mehr eine Chance geben.“

          Reynolds war liiert mit seiner „Smokey and the Bandit“-Kollegin Sally Field, mit der Tennisspielerin Chris Evert, der Schauspielerin Farrah Fawcett und der beinahe zwanzig Jahre älteren TV-Talkmasterin Dinah Shore. Auch mit Catherine Deneuve soll ihn eine Affäre verbunden haben. Verheiratet war er in zwei kurzen Ehen mit der englischen Schauspielerin Judy Carne und mit der Sitcom-Darstellerin Loni Anderson, mit der er einen Sohn, Quinton, adoptierte. Beide Ehen endeten in öffentlichen Schlammschlachten, und 1996 musste Reynolds, zutiefst verschuldet, erstmals Konkurs anmelden; ein zweites Mal sah er sich dazu 2011 gezwungen.

          Sein Image als stets gut aufgelegter, zu jedem Spaß bereiter Kerl, sagte Reynolds oft, verdanke er seinen  Auftritten in der Talkshow des legendären Johnny Carson, für den er 1972 als Gastmoderator einsprang. Hier konnte er seinen trockenen Humor unter Beweis stellen, der bald ebenso wie sein Schnauzbart zu seinem Markenzeichen wurde. „Eines kann man mir nicht nehmen“, schrieb er in seiner Autobiographie, „keiner hatte mehr Spaß als ich.“

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