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Zum Tod des Filmregisseurs Paulo Rocha : Grüne und bleierne Jahre

  • -Aktualisiert am

Paulo Rocha 1935 - 2012 Bild: dpa

Der Regisseur Paulo Rocha brachte dem portugiesischen Film den demokratischen und ästhetischen Neubeginn. Jetzt ist er im Alter von 77 Jahren gestorben.

          In vielen Ländern gibt es einen Film, der das zwanzigste Jahrhundert teilt - in eine Zeit vor der Freiheit und in eine Zeit des demokratischen, kulturellen, menschlichen, ästhetischen Neubeginns. Nicht immer fällt die Zeitrechnung des Kinos dabei so unmittelbar mit den historischen Wegmarken zusammen wie in Italien („Rom, offene Stadt“) oder Deutschland („Unter den Brücken“). Vielfach kamen die „Neuen Wellen“ mit Verspätung, weil die autoritären Regime sich als hartnäckig erwiesen. In Portugal gilt gemeinhin „Os verdes anos“ von Paulo Rocha aus dem Jahr 1963 als der Film, mit dem etwas Neues begann: ein persönliches Erzählen, das nicht in erster Linie auf kommerzielle Erfolgsformeln zielte, sondern auf einen Befund über das Gemeinwesen.

          Die Geschichte des jungen Mannes Júlio, der vom Land in die Stadt kommt und dabei einen Epochensprung erlebt, in dem er die ganzen Spannungen moderner gesellschaftlicher Wandlungen aushalten muss, ist auch als tragische Romanze konzipiert, blendet aber eben nicht, wie in diesem Genre häufig üblich, die Bedingungen aus, denen die Liebe unterliegt.

          Liebe in Zeiten des gesellschaftlichen Aufbruchs: Szene aus Rochas „Die grünen Jahre“

          Der 1935 geborene Rocha drehte „Die grünen Jahre“, nachdem er von einem selbstfinanzierten Filmstudium in Paris zurückgekommen war. Er hatte dort mit Jean Renoir gearbeitet (an „Le caporal épinglé“), und die Entstehung der Nouvelle Vague aus nächster Nähe mitverfolgen können. In Portugal fand er Beschäftigung beim Film (Manoel de Oliveira drehte damals gerade „Acto da primavera“, der ähnlich wegweisenden Status hat wie „Os verdes anos“). Rocha betätigte sich nach dem ausbleibenden Publikumserfolg seines Debütfilms auf unterschiedlichste Weise, er drehte Dokumentationen, ging für fast ein Jahrzehnt nach Japan, agierte in filmpolitischen Funktionen, und kehrte in unregelmäßigen Abständen zum Spielfilm zurück („A Ilha os Amores“, 1982; „Olhos Vermelos“, 2011).

          In „Francisca“ (1981), einem der Hauptwerke von Manoel de Oliveira, war er auch als Schauspieler zu sehen; später widmete er dem bekanntesten Filmemacher seines Landes auch einen Dokumentarfilm „Oliveira, o Arquitecto“ (1992) im Rahmen der französischen Serie „Cinéastes de notre temps“. Am Samstag ist Paulo Soares da Rocha kurz nach seinem 77. Geburtstag in Vila Nova de Gaia gestorben.

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