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„Zero Dark Thirty“ im Kino Wie nützlich ist die Wahrheit?

„Zero Dark Thirty“, Kathryn Bigelows sensationeller Film über die Jagd auf Usama Bin Ladin, entfacht abermals die Debatte, ob Amerika foltert und ob es das darf und sollte.

© UPI Vergrößern Kurz vor dem Ende einer Jagd: Szenenbild aus „Zero Dark Thirty“.

Ob „Zero Dark Thirty“ gut oder schlecht ist? Das war lange gar nicht die Frage. Bevor der Film am Mittwoch in die New Yorker Kinos kam und ab 11. Januar in die des Landes kommt, wurde aber schon heftig darüber gestritten, ob er richtig oder falsch ist. Die Kritik beschränkte sich erst einmal auf einen Vergleich mit tatsächlichen, aktuellen Geschehnissen. Was nicht ganz abwegig ist, da Kathryn Bigelow, die Regisseurin, und Mark Boal, der Drehbuchautor, von einem „journalistischen Ansatz“ sprechen. Obendrein warnen sie uns aber davor, den Film als Dokumentation zu begreifen. Sie sagen, sie wollen vor allem eine spannende Geschichte erzählen, nämlich die von der zehnjährigen Jagd auf Usama Bin Ladin. Wie die ausgeht, ist bekannt. Warum sie so ausgegangen ist, darüber gibt es jetzt Streit.

Jordan Mejias Folgen:  

Dieser Streit ist älter als „Zero Dark Thirty“. Er begann mit den Enthüllungen von „enhanced interrogation techniques“, die der damalige Präsident Bush nicht Folter nennen mochte, und steigerte sich zum grellen Hit der Nachrichtenkanäle, bis er unentschieden verebbte. In neuer Frische setzte er sich nach der Tötung Bin Ladins fort, als Präsident Obamas Fürsprecher bekundeten, Folter habe dabei keine Rolle gespielt, und seine Gegner naturgemäß das Gegenteil behaupteten. Auch ein Bericht des Geheimdienstausschusses des Senats, der zu dem Ergebnis kam, Folter sei kein „zentraler Bestandteil“ der erfolgreichen Suche nach Bin Ladin gewesen, brachte vergangene Woche keine Einigung. Die republikanischen Senatoren erkannten im Gegensatz zu ihren Kollegen von der demokratischen Partei den Befund nicht an, und so wird die Akte in ihrer ganzen, sechstausend Seiten umfassenden Ausführlichkeit zunächst geheim bleiben. Auch und gerade die Wahrheit ist in Washington bloß nach einem politischen Nützlichkeitstest zu haben - oder nicht.

Die Rolle der Folter

Kein Wunder daher, dass „Zero Dark Thirty“, ein Film, der nach einem bilderlosen Stimmenpräludium von den Terroranschlägen des 11. September mit zwei infernalischen, von etwas Bürokratie unterbrochenen Folterszenen beginnt und mit dem blutigen Ende von Bin Ladin endet, nicht den Filmkritikern überlassen wird. Republikaner waren aufs Schlimmste gefasst. Kathryn Bigelow und Boal, die in „The Hurt Locker“ den Irak-Krieg in all seiner Brutalität der Leinwand fast eingebrannt und dafür sechs Oscars kassiert hatten, waren ihnen als vermeintliche Prototypen des linksliberalen Hollywood von vornherein verdächtig. Was anderes würden sie liefern als eine Verklärung des Oberbefehlshabers Obama, der den Oberterroristen zur Strecke brachte? Und dann dies: „Ich wette, dass Dick Cheney den neuen Film ,Zero Dark Thirty’ lieben wird“, sagte Frank Bruni, Kolumnist der „New York Times“, in seiner politischen Betrachtung des Streitobjekts voraus.

Bruni war nicht der Einzige, der sich fragte, ob der Film eine Rehabilitierung der Folter sei, eingekleidet in den spannungsgeladenen Beweis, dass den Navy Seals der Coup in der pakistanischen Nacht nur gelang, weil ihm über die Jahre ein paar zielsichere Körperverletzungen vorausgegangen waren. Im Internetmagazin „Salon“ erklärte Emily Bazelon, „Zero Dark Thirty“ lege den Daumen auf die Waage zugunsten der Folter. Kathryn Bigelows und Boals beispiellos enge und vertrauliche Zusammenarbeit mit der CIA könnte sich, wie Bazelon doch fürchtet, in einer allzu gefälligen Übernahme der Erzählungen ihrer Informanten niedergeschlagen haben. Selbst der Geheimdienstexperte Peter Bergen, der als Berater die Dreharbeiten begleitete, wirft jetzt dem Film vor, er hinterlasse den Eindruck, Folter habe den Weg zu Bin Ladin gewiesen.

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