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„ZDF.reporter“ : Tatütata, das ZDF ist da

  • -Aktualisiert am

Das Gesicht der „Nahaufnahme Deutschland”: Norbert Lehmann Bild: Rico Rossival

Auf eine sehr kleinkarierte Art ist es das deutscheste Fernsehmagazin: Die „ZDF.reporter“, die an diesem Mittwoch ihre 150. Sendung feiern, kämpfen unermüdlich für Recht und Ordnung. Und gegen Raser, Drängler und Gänsekeulenklauer.

          Zu den wirklich drängenden Problemen unserer Zeit gehört der Mittelspurschleicher. Tag für Tag blockieren sie die Autobahn: junge Frauen, die Angst haben, die Spur zu wechseln; alte Männer, die glauben, die rechte Spur sei nur für Laster; blöde Mercedesfahrer, die meinen, sie hätten es nicht nötig. Egal, wie dicht wir auffahren oder wie knapp vor ihnen wir demonstrativ auf die rechte Spur ziehen, sie werden nicht weniger: die Mittelspurschleicher.

          Im Mai nahm sich "ZDF.reporter" des heiklen Themas an. Ein Reporter fuhr mit zwei Polizisten auf der A5 und war erschüttert: "Schon nach kurzer Zeit haben sie einen Kleintransporter im Visier, der partout nicht wieder auf die rechte Spur einscheren will. Ein typischer Mittelspurschleicher." Wenig später: "Ein Mercedesfahrer blockiert seit sechs Kilometern die Mittelspur." Und dann: "Ein Golf bleibt stur in der Mitte, und das schon seit mehr als acht Kilometern. Ein notorischer Mittelspurschleicher." Alles doppelt auf Video festgehalten: von der Polizei und vom ZDF. Junge Frauen, alte Männer, blöde Mercedesfahrer. Neun Minuten Mittelspurschleicher pur.

          Raser, Drängler und andere Kriminelle

          So was sieht man ja sonst nicht im Fernsehen. Auch nicht bei "ZDF.reporter". Sonst jagen die mit der Polizei Raser und Drängler, Motorradfahrer, böse Laster und betrunkene Jugendliche, wieder Raser und Drängler, noch mal Motorradfahrer und sicherheitshalber ein weiteres Mal Raser und Drängler. Kaum eine Ausgabe, in der die Reporter nicht mit der Polizei auf Streife gehen: im Videowagen oder zu Fuß, in Uniform oder in Zivil. Und wenn es keine Polizisten sind, die begleitet werden, dann andere Kontrolleure.

          "ZDF.reporter" ist das mit Abstand monotonste Magazin im deutschen Fernsehen. Es nimmt die Welt fast ausschließlich aus der Perspektive von Ordnungshütern wahr. Andere Menschen kommen nur als reuige Sünder oder uneinsichtige Missetäter vor, bestenfalls als Zeugen oder zu Unrecht Verdächtige. Es sind oft Bagatelldelikte, die im Mittelpunkt stehen, aber bei "ZDF.reporter" ist klar, daß es keine Bagatelldelikte gibt: Es geht um Recht und Ordnung, im Kleinen wie im Großen, und wenn man genug Sendungen gesehen hat, beginnt man selbst zu glauben, daß der Unterschied zwischen einem Menschen, der achtlos eine Bananenschale wegwirft, und einem Terroristen möglicherweise nur in Nuancen besteht.

          Wie in den frühen „Derrick“-Folgen

          Die Reportage "Sommer, Sonne, Sittenwächter: Ordnung muß sein - auch beim Sommerspaß" beginnt am Isarufer. "Grillen ist hier nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt, Lagerfeuer grundsätzlich verboten", erklärt der Reporter. Er begleitet zwei Wachleute: "Ihnen entgeht nichts. Die Sicherheitsleute nähern sich vorsichtig. Pirschen sich im Schutze der Bäume an die illegalen Griller heran." Natürlich werden sie gestellt. Der Bericht endet mit den Worten: "Die Grill-Sheriffs aus München haben das Isarufer im Griff. Hier wird diesen Sommer wohl niemand ein illegales Feuer entfachen." Es gibt keinen Hauch von Distanz oder Ironie in den Kommentaren, auch nicht am Ende einer Reportage über Schwarze Nordsee-Sheriffs: "Die Leute vom Wachdienst übernehmen wieder. Ihr Strand soll schließlich sauber bleiben."

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