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Yasmina Reza : Männerwelten, Frauensache

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Yasmina Reza Bild: AFP

Bis vor kurzem saß sie noch mit Roman Polanski am Drehbuch für die Verfilmung ihres letzten Theaterstücks. Seit einigen Wochen arbeitet sie im Schneideraum für ihren ersten Kinofilm, „Chicas“. Ein Treffen mit der Erfolgsautorin Yasmina Reza („Kunst“) in einem Pariser Studio.

          „Da war doch gerade ein Nebengeräusch.“ Besorgt wendet Yasmina Reza sich auf dem Drehstuhl zum Tonmeister neben ihr. Am liebsten möchte sie alle Töne von der wirklichen Welt draußen aus dem Studio ihrer Kunstwelt verbannen. Seit einigen Wochen sitzt sie im Schneide- und Tonmischungsraum für ihren ersten Kinofilm „Chicas“, eine freie Bearbeitung ihres Stücks „Ein spanisches Stück“, das Luc Bondy vor fünf Jahren uraufführte. Spannung, Aufregung, Unsicherheit sind ihr nicht anzusehen, obwohl sie, die in jungen Jahren als Filmschauspielerin begann, zurzeit gerade die bewegte Rückkehr ins Reich des Kinos erlebt.

          Bis vor kurzem noch saß sie mit Roman Polanski zusammen am Drehbuch für dessen Verfilmung ihres letzten Stücks „Der Gott des Gemetzels“. Die Dreharbeiten sollten im nächsten Frühjahr beginnen. Nun sitzt Polanski im Zürcher Gefängnis. Seine Haft findet sie skandalös, die moralischen Urteile über ihn aber noch schlimmer. Persönlich würde sie für seine moralische Integrität einstehen, hat sie schon wiederholt erklärt. Zum ersten Mal spricht sie hier nun aber von ihrem eigenen Film „Chicas“, der im März herauskommen soll. Sie spricht von ihrer Hinwendung zum Kino, die keine Abkehr vom Theater bedeutet, und sie spricht von sich selbst.

          Verkleidungsrausch mit Stoffen

          Der fiktive spanische Autor Olmo Panero, in dessen affektive Teufelsküche die fünf Figuren des „Spanischen Stücks“ abwechselnd eintauchen, hat die Autorin Yasmina Reza verfolgt. „Ich spürte oft das Verlangen, Paneros Stück, von dem man in meinem Stück ja nur einzelne Szenen sieht, nun tatsächlich zu schreiben“, erklärt sie. Die in die Jahre gekommene Pilar steuert dort nach der Bekanntschaft mit einem noch attraktiv wirkenden Immobilienverwalter das zwielichtig gereifte Ruhestandsglück im Familienkreis an, kollidiert dabei aber immerfort mit den nervösen Selbstverwirklichungsträumen ihrer beiden Töchter Nuria und Aurelia, die wiederum miteinander im Schauspielergewerbe wetteifern.

          Diese damals bloß skizzierten Figuren hat Yasmina Reza nun ausgeführt und sich selbst so zur Bearbeiterin des von ihr erfundenen Autors Olmo Panero gemacht. Keineswegs will sie das Projekt aber einfach als eine Stückverfilmung verstehen. Außer den Figuren, sagt sie, sei fast alles neu, die Atmosphären, die Dialoge, auch ein paar zusätzliche Personen. „Dieser Film gehört wohl zum Persönlichsten, was ich je gemacht habe.“

          Während sie das sagt, läuft auf der Leinwand gerade die Szene, in der Nuria der Familie ihr Abendkleid für eine Galaveranstaltung vorführt. Im Stück waren das ein kurzes Verschwinden in der Kulisse und ein Wiederauftauchen mit dem applausheischenden Blick. Im Film ist es ein Verkleidungsrausch mit Stoffen, Farben und Körperbewegungen zu den Gitarrenklängen der Gruppe „Gipsy Kings“.

          Herkunft und Exil

          Die Zeit, die sich in Yasmina Rezas Stücken sonst dehnt und wölbt, tickt im Wechsel von Schnitt und Gegenschnitt, wenn auch offenbar keineswegs chronologisch. Was im „Spanischen Stück“ aus dem Riss zwischen Figuren und Darstellern schimmerte, dämmere im Film einzeln aus den verborgenen Träumen der Personen, verspricht die Autorin.

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