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Veröffentlicht: 01.09.2016, 14:04 Uhr

Wim Wenders in Venedig Mein Traum der neuen Filmsprache 3D

Ein altes Landhaus mit Blick auf Paris, ein Text von Peter Handke und nur zehn Tage Drehzeit: Wim Wenders über seinen Film „Die schönen Tage von Aranjuez“ im Wettbewerb von Venedig.

© Alfama Films Production Reda Kateb und Sophie Semin in „Die schönen Tage von Aranjuez“ von Wim Wenders

Er ist der einzige deutsche Regisseur im diesjährigen Wettbewerb von Venedig: Wim Wenders stellt das Beziehungsdrama „Die schönen Tage von Aranjuez“ vor. Er habe den Film in nur zehn Tagen gedreht, berichtete der 71-Jährige vor der Premiere des Films an diesem Donnerstagabend. „Wir hatten ja nicht viel Geld, „Die schönen Tage von Aranjuez“ ist eine low-budget Produktion.“ Der Regisseur drehte in 3D.

„Die schönen Tage von Aranjuez“ basiert auf einem Theaterstück des österreichischen Erfolgsautors Peter Handke. Es erzählt von den unterschiedlichen Vorstellungen und Wahrnehmungen, die ein Mann und eine Frau zum Leben haben. Warum haben Sie sich entschieden, genau dieses Stück zu verfilmen?

Weil ich das für einen schönen und wichtigen Text halte. Der Diskurs zwischen Männern und Frauen findet ja kaum statt ... Peter hatte mir das Stück schon geschickt, bevor es veröffentlicht wurde, mit der Frage, ob ich interessiert sei, das als Uraufführung im Theater zu machen. Das habe ich mir reiflich überlegt und mich dann entschieden, dass ich dem Text besser gerecht werden könnte, wenn ich ihn draußen in der Natur inszenieren könnte, als Film. Auf einer Bühne, da war ich mir sicher, könnten andere das besser.

42145157 © Donata Wenders Vergrößern Mit Reda Kateb und Peter Handke bei den Dreharbeiten

Mit Peter Handke sind Sie schon seit vielen Jahren eng befreundet. Seit Ende der 60er Jahre haben Sie bereits für mehrere Ihrer Filme zusammengearbeitet, nun auch bei „Die schönen Tage von Aranjuez“. Können Sie uns ein bisschen erzählen, wie Sie gemeinsam arbeiten?

Das war jedes Mal anders, wir haben da kein Procedere. Für „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ hat mir Peter seinen Roman gegeben und gesagt: „Mach mal!“ Ich war gerade mit der Filmschule in München fertig, und war dank dieses „Geschenks“ oder „Auftrags“ dann der erste - und einzige - dieses ersten Jahrgangs der HFF, der dann tatsächlich einen Film gedreht hat. Das Drehbuch habe ich alleine geschrieben, ohne Peters Hilfe, und habe mich dabei sehr streng an den Roman gehalten.

Bei unserer nächsten Zusammenarbeit „Falsche Bewegung“ war es umgekehrt, da hat Peter komplett allein das Drehbuch geschrieben, nachdem wir uns darüber unterhalten hatten, wie man Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ in die Jetztzeit übertragen könnte.

Wie war es bei „Der Himmel über Berlin“?

Da war noch mal alles anders. Da habe ich Peter angetragen, mit mir das Drehbuch zu schreiben, und habe ihm meine Geschichte von den beiden Engeln und von der Trapezkünstlerin erzählt. Aber Peter hatte gerade einen Roman angefangen, wollte diese Arbeit nicht unterbrechen und hat mir mit Bedauern abgesagt. Also musste ich die Suppe, die ich mir eingebrockt hatte, alleine auslöffeln. Was ich dann auch getan habe. Aber ein richtiges Drehbuch wollte dabei nicht herauskommen. So haben wir schließlich einfach angefangen zu drehen, ohne festes Buch.

42145488 © Picture-Alliance Vergrößern Bruno Ganz und Solveig Dammartin in „Der Himmel über Berlin“ (1986)

Gleichzeitig kamen dann diese dicken Briefe, einer nach dem anderen, über mehrere Wochen. Absender: Peter Handke. Er schrieb, er habe nachträglich doch bedauert, mich so mit leeren Händen wieder fortzuschicken, und weil meine Geschichte irgendwie in ihm nachgehallt hatte, habe er angefangen, auf gut Glück Dialoge und Monologe zu schreiben. (...) Der Dreh war im Großen und Ganzen wie ein Flug ohne Instrumente, aber zwischendrin gab es diese Fixpunkte der Texte von Peter, auf die wir immer zugeflogen sind. Diese Handke’schen Texte waren wie unsere Leuchttürme.

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