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Wim Wenders’ Film über Papst : Fragen eines verzagten Weltbürgers

  • -Aktualisiert am

Bild: POPE FRANCIS - A MAN OF HIS WORD

Eine Arbeit in höherem Auftrag: Wim Wenders hat den Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ über den Stellvertreter Gottes auf Erden gedreht. Er spart dabei nicht an Mystik.

          Der westöstliche Divan, auf dem die Weisheitslage der Welt besprochen wird, war lange Zeit katholischerseits verwaist. Beim Dalai Lama standen die spirituell Sehnsüchtigen von Richard Gere abwärts Schlange. Rom aber hatte nur die Leidensmystik eines frommen Polen aufzubieten und später einen Jesus-Biographen mit roten Schuhen, der trotz bajuwarischer Herkunft so seine Probleme mit der Volksnähe hatte.

          Zum Glück hat die katholische Kirche aber dieses eigenwillige Institut, das sich Konklave nennt: eine Männerklausur mit Ergebniszwang und Inspirationsversprechen.

          Aus säkularer Perspektive könnte man zwar den Eindruck haben, dass der Heilige Geist nur bei jedem dritten oder vierten Konklave vorbeischaut (oder gar nur alle Heiligen Zeiten), aber bei der Wahl des derzeitigen Papstes muss doch irgendetwas mit rechten Dingen zugegangen sein. Franziskus (bürgerlicher Name Jorge Mario Bergoglio, aus Buenos Aires in Lateinamerika) ist weit über die Kreise der Katholiken hinaus populär.

          Eine Antwortfigur

          Einer seiner weltlichen Jünger ist der deutsche Filmemacher Wim Wenders, ein Anhänger der Verzauberung der Welt durch Bilder. Nebenbei aber auch einfach ein besorgter Zeitgenosse: Dem Planeten geht es ja gerade nicht so prächtig und unter seinen Bewohnern auch nur einer Minderheit, und selbst die materiell Versorgten haben nicht alles im Griff, ganz abgesehen davon, dass sie mit ihrem Luxusleben dem Planeten zu schaffen machen.

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          Der besorgte Zeitgenosse in Wim Wenders hat nun einen Film gemacht, in dem er Papst Franziskus als eine Antwortfigur präsentiert: Wenn alle das Ethos von Jesus und von dem Namenspatron Franz von Assisi ein wenig ernster nehmen würden, dann ginge es bald allen besser. „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ klingt zwar mit seinem Untertitel ein wenig nach einer Bierwerbung („Papst Franziskus – Ein Mann mit Handschlagqualität“) und ist auch ein bisschen logozentrisch, aber das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Wenders vor allem auf Worte des Pontifex Maximus aufbauen kann. Sein Film hat als Kern eine Reihe von Interviewpassagen, in denen Franziskus (als Papst, aber eben auch als er selbst) zu Themen spricht, die alle solche der Zeit sind.

          Er schöpft aus seiner persönlichen Frömmigkeit

          Die Unterscheidung der Rollen ist ja einer der springenden Punkte beim Stellvertreter Gottes auf Erden, wie einer der eher triumphalistischen Titel lautet, der wiederum eine volksmündliche Verzerrung des „Vicarius Christi“ ist. Franziskus ist, wie jeder Papst, der Stellvertreter Jesu auf Erden. Es spricht also aus ihm, in den vielfachen Vermittlungen der Geschichte, immer auch noch ein bisschen der Jesus der Bergpredigt.

          Genau diesen Franziskus wollte Wim Wenders hören, und er hat ihn auch bekommen, durch die ganze Installation hindurch: eine Kamera, wie sie auch beim Wort zum Sonntag verwendet wird, nur gibt es dort einen Teleprompter. Franziskus aber ist sein eigener Prompter. Er schöpft aus seiner persönlichen Frömmigkeit und spricht (auf Spanisch) mit der Autorität des Propheten, dessen sich die Kirche nie ganz sicher sein darf. Franziskus spricht mit der Autorität von Jesus, dazwischengeschaltet aber ist der Mann, der im hohen Mittelalter zu den Tieren predigte: Franz von Assisi.

          Wenders ist von dieser Identifikation so fasziniert, dass er dafür einen eigenen kleinen Film gedreht hat: Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus, gestaltet mit antiker Handkurbelkamera in einem seltsamen Epochenstil, der wie eine Mischung aus Renaissancemalerei und „early cinema“ aussehen soll. Diese illustrativen Teile haben einen starken „fake appeal“, auch wenn Wenders mit seiner sanften Stimme das alles wie ein akustischer Heiliger Geist zusammenzuhalten versucht.

          Charisma ist, wenn man aus der Wahrheit spricht

          In Roberto Rossellinis „Franziskus, der Gaukler Gottes“ aus dem Jahr 1950 hätte er das perfekte Material zur Hand gehabt. Aber Wenders ist nun einmal auch ein Mystiker der Kinotechnik, und so hat er die Gelegenheit eben genutzt, in dem Papstfilm seinen eigenen Franziskusfilm zu inserieren.

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