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Video-Filmkritik zu „Western“ : Auf den Spuren der Steine

  • -Aktualisiert am

Bild: Piffl Medien

Valeska Grisebachs Film „Western“ stieß schon in Cannes auf Begeisterung. Selten war das deutsche Kino gegenwärtiger und klüger als in dieser Geschichte.

          In der spontanen Völkerverständigung wird das Wort „Problem“ sofort verstanden. „Hast du ein Problem, Mann?“ Fast genau so oft hört man die Formel der Entwarnung: „No problem, kein Problem.“ In einer Untersuchung über den ewigen Frieden und die Frage, wo er denn bleibt, könnte man ein ganzes Kapitel über das Problem schreiben, denn das Problem ist nicht selten bereits die halbe Lösung.

          In Valeska Grisebachs Film „Western“ gibt es eine Menge Probleme schon deswegen, weil eine Gruppe deutscher Bauarbeiter in Bulgarien sich nicht verständigen kann. Englisch sprechen hier nur die Jungen, die Deutschen sprechen den Dialekt der Hauptstadt, klingen also wie Ossis, die Bulgaren sprechen die Landessprache, und alle sprechen ein paar Brocken von dem, was entsteht, wenn man sich in der Wildnis begegnet. Für die ersten Frauen, die die rauen Kerle eines Tages an einer Badestelle an einem Bach entdecken, greifen sie allerdings tief in den kulturellen Wortschatz: Sie sehen eine „Fata Morgana“. Das kommt raus, wenn man eine Männerbrigade hart an die Grenze zum Morgenland schickt.

          Beinahe schon bei Eastwood

          Der „Western“ von Valeska Grisebach ist also eigentlich ein „Eastern“, aber eine der Pointen dieses Films ist es gerade, dass man im Kino in alle Richtungen zugleich erzählen kann. Was geographisch eine Bewegung an die Außengrenze einer Gemeinschaft darstellt, die sich erst vor wenigen Jahren in diese Gegend hin erweitert hat, kann gleichzeitig eine Zeitreise sein – und zwar in eine ganze Reihe von Zeiten. Einen Western im klassischen Sinn kann man mit ein paar Männern, die in eine wildromantische Landschaft ein Wasserkraftwerk bauen sollen, zwar nicht machen. Aber es reicht ein Pferd, um die entsprechenden Erinnerungen wachzurufen. Und als dann einer aus dem Trupp ins Dorf reitet, um dort Zigaretten zu besorgen, ist man beinahe schon bei Clint Eastwood, wie er als „Fremder ohne Namen“ unerwartet irgendwo auftaucht und dann die Verhältnisse gründlich über den Haufen wirft.

          So dramatisch geht es in „Western“ nicht zu. Abgesehen von der Bedienung der schweren Baumaschinen ist das eine postheroische Erzählung. Das hat wesentlich mit der Figur zu tun, die im Zentrum steht, oder besser gesagt, die sich nicht darauf beschränkt, auf einer Seite zu stehen: Meinhard ist ein hagerer Mann mit wehmütigem Blick. Er hat schon eine Menge erlebt, würde das aber lieber für sich behalten. In der Gruppe und im Dorf wird er allgemein nur als der „Legionär“ bezeichnet. Er war einmal in Afghanistan, auch in Afrika, und dass Meinhard die Reflexe aus dieser Zeit noch nicht vergessen hat, bekommt ein junger Mann namens Wanko zu spüren, der sich einen Spaß erlaubt und den Deutschen nachts von hinten überfällt.

          Gesprochen wird eben umständlich

          Der Legionär ist auch als Bauarbeiter einer, der sich in einer Legion verdingt hat, nun aber zu friedlichen Zwecken. „Wir bringen hier Infrastruktur mit rin“, so rechtfertigt der Bauleiter Vincent die massiven Eingriffe in die regionale Ökologie, die bald zu Konflikten führen. Denn in der Gegend ist das Wasser knapp, das Dorf sitzt auf dem Trockenen, wenn die Deutschen zu viel abzwacken.

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