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Video-Filmkritik zu „Thor 3“ : Hör mal, wer da hämmert!

Bild: Marvel Studios

Wenn das Drehbuch überdreht, hilft der klügste Regisseur nicht: Taika Waititis Kinospektakel „Thor – Tag der Entscheidung“ kennt nur die Haudrauf-Methode.

          Die größte Überraschung, die der neue „Thor“-Film (immerhin schon der dritte seiner Art, gar nicht gerechnet all die Marvel-Superheldenverfilmungen, in denen Thor zwar nicht als Hauptfigur, aber doch prominent auftritt) bietet, ist der Regisseur: Taika Waititi. Der zweiundvierzigjährige Neuseeländer war bislang ein Liebling anspruchsvoller Kinogänger, wobei es nur zwei seiner vier Spielfilme überhaupt regulär auf deutsche Leinwände geschafft haben: 2014 die Vampirkomödie „5 Zimmer Küche Sarg“ und erst in diesem Jahr (mit beschämendem Einspielergebnis) die höchst subtile Literaturverfilmung „Wo die wilden Menschen jagen“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Beide Werke und auch sein erster großer Erfolg in der neuseeländischen Heimat, die 2010 gedrehte, ebenso sozialkritische wie geistvolle Maori-Familiengeschichte „Boy“, zeichnen sich durch einen Witz aus, der aus den Dialogen und den meisterhaft typisierten Figuren entsteht – also just aus dem, was man der „Thor“-Filmreihe bislang von allen Marvel-Serien im Kino wohl am wenigsten nachsagen durfte. Nicht nur der Titelheld selbst, auch die Regie setzte bislang vor allem auf ein Werkzeug, um Eindruck zu schinden: Hier wurde mit dem Hammer inszeniert. Populär aber waren die beiden ersten Teile trotzdem – dank Loki, dem von Tom Hiddleston gespielten bösen Bruder Thors. Er entsprach bisher als Einziger dem, wofür Waititi steht.

          Gekürzte Goldlocken

          Es soll aber der Hauptdarsteller Chris Hemsworth – als Australier kennt er die ozeanische Filmszene – gewesen sein, der Waititi für Teil drei empfohlen hat. Angesichts des alles überstrahlenden Lokis auf demselben Set und des Publikumszuspruchs für die komödiantisch gestalteten „Guardians of the Galaxy“ aus demselben Studio wünschte sich Hemsworth einen Imagewechsel seines martialischen nordischen Gottes. Er ließ sich ein Drehbuch auf den muskulösen Leib schreiben, das den Helden nicht mehr allzu ernst nimmt: Man sehe sich nur die Eingangsszene an, in der der gefangene Thor an einer langen Kette von der Decke hängt und sein Gespräch mit einem Erzbösewicht immer wieder dadurch unterbrochen wird, dass der Gefesselte langsam herumkreiselt. Zudem ließ Hemsworth sich die berühmten Goldlocken kürzen, die seine Figur in den Comicvorlagen charakterisieren: eine Aufgabe, die höchst symbolisch von Stan Lee, dem greisen Erfinder des Superhelden, in dessen obligatorischer Gastrolle (diesmal als teuflischer Friseur) übernommen wird.

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          Doch mit der Anpassung Thors an einen zeitgemäßen Look und den zynischen Loki ist es natürlich nicht getan; es braucht eine humoristische Handschrift für den ganzen Film. Die erhoffte man sich von Waititi, doch dem hat man mit seiner Wahl zum Regisseur keinen Gefallen getan. Dass Thors Hammer recht früh zerschmettert wird, ändert nichts an der Fortsetzung der Haudrauf-Methode. Sosehr man Waititis Bemühen merkt, locker zu inszenieren, so wenig kann man übersehen, wie unoriginell ihm die genrebedingt unentbehrlichen Money-Shots (die man in Superheldenfilmen besser Metzel-Shots nennen sollte) geraten sind. Hofft man noch zu Beginn, dass sich Waititi durch eine ausufernde Kampfsequenz gleich in den ersten zehn Minuten der lästigen Pflicht für das Folgende enthoben hätte, sieht man sich spätestens dann getäuscht, als Thor und sein Freund Hulk, gespielt von Mark Ruffalo, sich in einer Arena als Gegner gegenüberstehen und die Malträtierung übermenschlicher Körper eine Intensität erreicht, die sich jeglichen Geschmackskategorien entzieht. Man schämt sich für die Beteiligten.

          Zwei andere Akteure haben mehr Glück. Cate Blanchett tritt als bislang in der Filmreihe schamhaft verschwiegene ältere Schwester von Thor auf, die ihr Erstgeborenenrecht vehement einfordert, als der gemeinsame Vater Odin als Herrscher übers Götterreich Asgard das Überzeitliche segnet. Was die zweifache Oscar-Preisträgerin außer der Gage an der Rolle gereizt hat, ist schwer zu verstehen (vielleicht ist sie als Australierin auch ein Fan von Waititi), aber sie entledigt sich ihres nicht auf Fortsetzung angelegten Auftritts mit grandios graziöser Grausamkeit. Jeff Goldblum wiederum spielt mit Verve und Witz eine Schießbudenfigur: den perfiden Herrscher über einen Vergnügungsplaneten. Gemeinsam mit Tom Hiddleston entfaltet er in der Loge jener Arena, die den episch-elenden Kampf zwischen Thor und Hulk bietet, einen Pas-de-deux im Sitzen, der nur durch Mimik und Kameraeinstellung entsteht. Ein kleines Meisterstück – und schon wieder ist Chris Hemsworth die Schau gestohlen. Waititi hat die vom Hauptdarsteller erhoffte Mission nicht erfüllt.

          Der Regisseur tritt übrigens selbst auf, wie in allen seinen Spielfilmen, wenn auch diesmal nur als Animationsvorlage, also als Akteur, dessen Spiel die Grundlage für eine computergenerierte Figur namens Korg bietet. Immerhin kommt hier der spezifische Waititi-Wortwitz des früheren Comedians zum Tragen. Und dass er mit dem neuseeländischen Veteranen Sam Neill einen seiner Lieblingsschauspieler für eine shakespearegeschulte Theaterszene (in der mit Luke Hemsworth auch der weniger bekannte Bruder von Chris mitspielt) besetzt hat, das ist schon wieder fast brillant. Aber solche Kabinettstückchen gehen unter im Pomp der Götterwelt von Asgard, der auch jemand wie Waititi keine Ironie beigeben kann. Dass schließlich die Asgard-Bewohner das einzulösen haben, was der einschlägige Led-Zeppelin-Klassiker „Immigrant Song“ im Film verkündet, ist leider nur noch überdreht. Dieser Film ist eine Thorheit.

          Quelle: F.A.Z.

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